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Gruppendynamik und die Professionalisierung psychosozialer Berufe

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Gruppendynamik und die Professionalisierung psychosozialer Berufe

Oliver König, Mit einem Vorwort von Fritz B. Simon

Carl Auer Verlag 2007, 1. Auflage, 192 Seiten, 24.95 Euro

Die Gruppendynamik hat die Entwicklung und Professionalisierung von Psychotherapie, Erwachsenenbildung, Supervision und Beratung maßgeblich beeinflusst. Auch bei der Ausbreitung psychosozialer Verfahren und Methoden in gesellschaftliche Praxisfelder spielen die Anregungen aus der Gruppendynamik eine tragende Rolle. Heute finden sich gruppendynamische Arbeitsansätze in der Aus- und Weiterbildung, in der Sozialarbeit, in Therapie und Supervision ebenso wie in der Personalentwicklung, im Training von Führungskräften oder der Organisationsentwicklung.

Oliver König befasst sich ausführlich mit der Entwicklung der Gruppendynamik und der von ihr beeinflussten psychosozialen Berufe. Was bewirken gruppendynamische Verfahren? Und was passiert in der Praxis mit dem Verfahren? Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht dabei die Wechselwirkung zu benachbarten Disziplinen und Methoden. 

Quelle: Text des Verlages 

 

Oliver König, PD Dr. phil., Studium der Pädagogik, Soziologie und Psychologie; Trainer für Gruppendynamik (DAGG); Supervisor (DGSv); Heilpraktiker (Psychotherapie); Berater; Privatdozent am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik".  

www.oliverkoenig-homepage.de

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Leserrezension von Michael Kramer

 

Einleitung

Grundlage dieses Buches sind die vielfältigen, praktischen Erfahrungen, die Dr. Oliver König in den letzten 25 Jahren seiner Berufstätigkeit gesammelt hat.
Seit 1983 arbeitet er freiberuflich in Gruppen in unterschiedlichen Anwendungsbereichen und das auf sehr dynamische Art. Das wissenschaftliche Buch lädt zum Nachdenken und dem Entwickeln neuer Sichtweisen ein, auch wenn die Relevanz für die eigene Praxis oft nicht auf den ersten Blick deutlich wird.

Aufbau, Inhalt, Zielsetzung & Kritische Würdigung

Im ersten Teil geht es um die Professionalisierung des „USA- Imports“: Gruppendynamik.
Verfolgt werden die Spuren der des Themas von den Anfängen bis heute. Das ist spannend für junge Kollegen, die in diesem „Geschichtsbuch“ nachlesen können, „wie alles begann“.
Im zweiten Kapitel diskutiert König das Phänomen der Autorität innerhalb von gruppendynamischen Prozessen. Die Stellung und Bedeutung von autoritärem Verhalten verdeutlicht König auch anhand von biografischen Notizen. Das lockert die wissenschaftliche Lektüre auf und macht Lust auf mehr.
Der dritte Teil dieses Buches ist den Zwängen dieses Prozesses gewidmet, die das professionelle Handeln an ihre Grenzen stoßen lässt. Zur Erklärung bedient sich König der Gedanken Kurt Lewins und Norbert Elias. König macht in seinem vierten Kapitel Macht und Angst in Gruppen zum Thema, gibt zu Beginn eine Definition der beiden Begriffe an und formuliert „vier Thesen zum Zusammenspiel dieser Elemente“.
These 3: „In Gruppen ist der Umgang mit Macht eine notwendige Aufgbe.“
Im fünften Kapitel wird die schwierige Balance zwischen „Wir“ und „Ich“ verdeutlicht, das heißt zwischen Individualisierung und Gruppenzugehörigkeit und beschreibt den historischen Prozess der Individualisierung. König konzentriert sich hierbei auf einige sozialpsychologische Themen und nutzt diese als Sprungbrett, um die Relevanz der der Gruppendynamik als Forschungsfeld für die Soziologen aufzuzeigen.
Das sechste Kapitel greift die Begriffe und Konzepte von Differenzierung und Integration von Gruppen auf. König verbindet damit die Frage, warum in Gruppen soziale Ungleichheit auftaucht und wie man in der Lage ist, diese zu verarbeiten.
Im siebten Kapitel werden anhand der Auseinandersetzung und der Aufstellungsarbeit übergreifende Themen der Gruppendynamik erläutert. “Die zwei Welten“-Psychotherapie zwischen Wissen und Glauben, Reflexion und Aktion.
Das achte Kapitel zieht eine Schleife der Übertragung der Aufstellungsarbeit auf andere Formate, vor allem die Supervision und Beratung. Hier geht König von einer Begriffsklärung, zur Übertragung bis hin zur Unterscheidung von Gruppen. Die Übertragung erfolgt auf Familie, Organisationen, Arbeit, Beziehungen und deren Funktionalität.

Empfehlungen

Zum Glück gibt es am Ende vieler Kapitel Schlussbemerkungen oder ein Fazit. Dadurch wird das profunde Fachwissen verdaulich, für dass der Sozialforscher König zu Tisch bittet. Für „Weight Watchers“ im Weiterbildungsbereich empfehle ich eine Häppchen-Strategie: Kapitel 1 und 6 genügen vermutlich selbständigen Weiterbildnern. Wer mehr Zeit hat, zu den erfahrenen Lesern gehört und eine Soziologie-Vorliebe hat, wird’s in einem Haps schaffen.

Michael Kramer, Lahstedt im September 2008

 

 

 

 

 

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