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Coaching-Tools(2): Welche Coachingtools eignen sich für welche Persönlichkeit?

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Coaching-Tools

Welche Coachingtools eignen sich für welche Persönlichkeit?

Frieder Barth

Sie wünschen sich in ihrer Arbeit als Coach und Berater noch intensiver mit Ihren Kunden zu arbeiten, besser in der Lage zu sein, bei Ihren Coachees eine nachhaltige Veränderungsmotivation zu erzeugen und gemeinsam mit Ihren Klienten möglichst effektive und individuelle Lösungen zu erarbeiten? Aus unseren Erfahrungen ist es hierfür sinnvoll, dass Sie sich mit den psychischen Systemen und dem daraus ableitbaren Persönlichkeitstypen Ihres Coachees befassen. Daran angelehnt können Sie Kontaktaufbau, Maßnahmen und Interventionen auswählen, die optimal zu Ihrem Coachee passen, damit er sich verstanden fühlt und Sie eine tragfähige Beziehung zu ihm aufbauen. Somit können Sie Ihre Klienten in der Lösungssuche gleichermaßen fördern wie fordern.

In der letzten Ausgabe haben wir bereits beschrieben, welche vier psychischen Systeme den Denk- und Wahrnehmungsmustern von Menschen laut Prof. Julius Kuhl zugrunde liegen. Bei jeder Persönlichkeit unterscheiden sich diese sehr stark in ihrer individuellen Ausprägung. Daher ist es für einen professionellen Coach so wertvoll, sich zu Beginn eines Coachings über die individuelle Persönlichkeit seines Coachees bewusst zu sein. Eine Möglichkeit dazu bieten die iTYPE Profiler, mit deren Hilfe auf rein visueller Basis die Wahrnehmungs- und Entscheidungsmuster eines Menschen erfasst werden. Mit diesen Informationen kann ein Coach den Beratungsprozess von Beginn an aktiv steuern und bewusst die persönlichkeitspsychologisch passenden Coachingmethoden auswählen, die die verschiedenen Dimensionen der Persönlichkeit seines Klienten aktivieren.

Interventionen, die bei dem einen Klienten sehr erfolgreich sind, können bei anderen unwirksam oder möglicherweise sogar nachteilig sein. Das ist der Grund, warum ein Coach bewusst auswählen sollte, welche Methode bei welchem Coachee in welcher Phase des Beratungsprozesses sinnvoll ist.

Der Coachee sollte im ersten Schritt des Coachings mit persönlichkeitspsychologisch ähnlichen Methoden konfrontiert werden, so dass er einen leichten Zugang zum Coach und zum Thema findet und an seine präferierten Systeme ankoppelt. Dies stärkt außerdem die so wichtige, beziehungsförderliche Basis.

Um einen langfristigen Coaching-Erfolg zu gewährleisten, ist es im zweiten Schritt jedoch wichtig, den Klienten gezielt mit Methoden zu konfrontieren, die auch die anderen psychischen Systeme ansprechen. Der Klient wird so aus seiner Komfortzone geholt, die weniger ausgeprägten Dimensionen werden gefördert und er wird angeleitet und motiviert, die Problemanalyse und Lösungssuche auf neue Weise anzugehen.

Problemanalyse unter Berücksichtigung der 4 psychischen Systeme

Im ersten Schritt eines lösungsorientierten Beratungsprozesses wird gemeinsam mit dem Coachee das Problem bzw. sein Anliegen in den Blick genommen. Schon in dieser Phase wird die Unterschiedlichkeit von Persönlichkeiten in der Wahrnehmung deutlich und der Coach sollte das Gespräch auf Grundlage des vorab erfolgten Profilings gezielt steuern und lenken.

Hat der Coachee eine starke Ausprägung in der sinnesorientierten Wahrnehmung (Objekterkennungssystem), wird er sehr detailliert und umfangreich seine aktuelle Situation schildern, sich stark auf das Problem und deren Auswirkungen fokussieren und darin verharren, was an seiner Situation alles schlecht und unveränderbar ist.

Durch autobiografische Fragestellungen und paradoxe Interventionen könnte der Coach seinen Klienten aus diesen negativen Emotionen holen und damit gleichzeitig die Blockade zum Erfahrungsgedächtnis aufheben. Ziel ist es, bei diesem Coachee-Typ insbesondere durch den fokussierten Blick auf seine eigenen Ressourcen neue Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft zu erarbeiten.

Mit diesen Maßnahmen stellt der Coach eine Verbindung vom sinneswahrnehmenden Objekterkennungssystem zum Extensionsgedächtnis, also dem fühlenden und werteorientierten Entscheiden her und bereitet somit den Weg für eine erfolgreiche Lösungssuche.

Anders bei einem Coachee, dessen intuitive Verhaltenssteuerung die Wahrnehmung dominiert. Dieser wird weniger das eigentliche Problem beschreiben, sondern eher von den Auswirkungen und Folgen berichten. Diese Klienten haben meist schon vielfältige Ideen und Lösungsansätze zur Klärung ihrer Situation entwickelt. Allerdings gelingt es ihnen aufgrund ihrer weniger stark ausgeprägten sinnesorientierten Wahrnehmung nicht, Unstimmigkeiten und Details in der Tiefe wahrzunehmen, weshalb ihre Lösungsansätze scheitern. Aufgabe des Coaches ist es daher, gemeinsam mit dem Coachee beobachtbare Fakten zu sammeln und somit das Problem zu fokussieren.

Die Umsetzung erarbeiteter Lösungen

Liegen erste Lösungsansätze vor, ist es für eine optimale Umsetzung sinnvoll, dass der Coach auch hier die unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Coachees berücksichtigt und sie individuell in der Handlungsplanung und -ausführung unterstützt. Dominiert die analytisch-logische Entscheidungskompetenz, gelingt es wahrscheinlich leicht, Handlungsschritte detailliert und schrittweise zu planen und die erarbeiteten Lösungsansätze für sich zu strukturieren. Allerdings braucht dieser Coachee Hilfe dabei, Sichtweisen und Verhaltensmuster wichtiger, an der Umsetzung beteiligter Bezugspersonen zu hinterfragen. Somit kann er seine weniger ausgeprägte fühlende und werteorientierte Entscheidungsfähigkeit stärken und mögliche Widerstände seines Umfelds vorab besser erkennen. Durch zirkuläre Fragetechniken kann der Coach einen Perspektivwechsel anregen. Ist der Coachee stark in seiner analytisch-rationalen Haltung gefangen und hemmt ihn etwas an der Umsetzung seiner geplanten Lösungsstrategien, können z.B. „Wunderlampenfragen“ dabei helfen, den Blick des Coachees auf neue Handlungsmöglichkeiten zu lenken.

Bei Coachees, deren fühlende und werteorientierte Entscheidungsfähigkeit dominiert, ist genau dieses kritische und analytische Hinterfragen und das logische Planen der Handlungsschritte die Herausforderung. Denn diese Menschen sind oftmals sehr stark in ihren persönlichen Werten verhaftet und haben Angst davor, Veränderungen herbeizuführen. Sie sehen Rationalität oftmals als negativ für ihre Beziehungsstrukturen an und überdenken daher erst die Auswirkungen ihrer Umsetzung. Coachs können die willentliche Handlungssteuerung dieser Coachees anregen, indem sie die persönlichen Werte dieser Klienten berücksichtigen, da eine grundsätzliche innere Bereitschaft zur Lösungsumsetzung vorhanden sein muss. Darauf aufbauend können dann genaue Ziele formuliert und schrittweise Abläufe ausgearbeitet werden, auf deren Grundlage ein detaillierter Handlungsplan erstellt wird.

Um das Coaching erfolgreich abzuschließen und den Coachee auch über sein konkretes Anliegen hinaus zu stärken, ist es notwendig, den Erfolg gemeinsam zu evaluieren und ihn für den Coachee spürbar zu machen. Ein intuitiv wahrnehmender Coachee sollte bewusst damit konfrontiert werden, welche konkreten Lösungsansätze zu welchem Erfolg geführt haben, wohingegen ein sinnesorientiert wahrnehmender Mensch den Blick auf das Gesamtbild und die positiven Auswirkungen der erfolgreichen Intervention richten sollte.

Fazit für den lösungsorientierten Beratungsprozess

In der Coaching-Arbeit sind also zwei verschiedene Faktoren elementar. Einerseits ist eine erfolgreiche Beziehungsgestaltung die Basis des Erfolgs, da sie dem Coachee das Gefühl gibt, bei seinem Coach gut aufgehoben zu sein und von ihm verstanden zu werden. Das Vertrauensverhältnis allein ist jedoch nicht ausreichend, denn es braucht auch einen Coach, der die richtigen Fragen stellt und dem Coachee wirksame Methoden zeigt, damit dieser selbstständig Handlungsalternativen erarbeitet und umsetzt. Dieses persönlichkeitspsychologische Vorgehen ist für einen lösungsorientierten Beratungsprozess hilfreich und berücksichtigt analytische und beziehungsförderliche Aspekte gleichermaßen. Durch die Anwendung persönlichkeitsuntypischer Interventionen kann somit ganz gezielt eine individuelle, positive Veränderungsmotivation beim Coachee erzeugt werden.

Der Autor: Frieder Barth 

studierte Personal- und Managementlehre in Konstanz und St. Gallen. Er absolvierte eine mehrjährige Zusatzausbildung zum systemischen Berater und ist zum „Kommunikationsberater für Verständigung und Menschenführung im beruflichen Bereich“ bei Prof. Schulz von Thun ausgebildet. Frieder Barth ist als Lehrtrainer der European Coaching Association anerkannt.

Mit der Ausbildung zum PSI-Kompetenzberater verfügt er über umfassende Kenntnisse in der Anwendung der von Prof. Kuhl beschriebenen PSI-Theorie. Frieder Barth hat erfolgreich an der Etablierung des iTYPE, einem wissenschaftlich validierten Testverfahren mitgewirkt, setzt dieses in seinen Trainings und Coachings ein und bietet Zertifizierungen für dieses Personalentwicklungsinstrument für Trainer und Coaches an.

Kontakt:

Frieder Barth
Kleine Seilerstraße 1
20359 Hamburg
www.friederbarth.de  
www.itype.eu

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