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Autoren-Werkstatt (1): Wie Trainer zu Buchautoren werden

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Autoren-Werkstatt (1)

Wie Trainer zu Buchautoren werden

Ulrike Scheuermann

In drei Beiträgen gibt Ulrike Scheuermann Impulse, wie aus Trainern Buchautoren werden. Im ersten Beitrag geht es darum, wie Sie das Schreiben als alltägliches Denkwerkzeug nutzen können – der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Buch. Sie lernen dafür eine Methode kennen, mit der Sie das Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen: „Schreibdenken“ eignet sich hervorragend als Vorübung für flüssiges Schreiben, für die Konzeptentwicklung für Ihr Buchprojekt, und sogar als Lehrmethode für Ihre Seminare.

Publikationen zählen zu den wichtigsten Marketing-Werkzeugen, denn fundiert und klug geschriebene Texte steigern Ihr Renommee, weisen Kompetenz nach und machen Sie bekannt. Doch viele Trainer, empfinden Schreiben als lästigen Störfaktor, der Zeit stiehlt, die man für andere Aufgaben dringender bräuchte. Sie fragen sich: „Wie soll (und will) ich denn neben meiner eigentlichen Arbeit noch schreiben?“

Schreiben ist mehr als Texte produzieren

Allerdings: Im Schreibcoaching oder in Seminaren arbeite ich auch häufig mit Trainern und Coachs, die beim Schreiben plötzlich inspiriert sind und begeistert einen neuen Gedanken verfolgen. Und da sehen Sie schon, es gibt noch einen anderen Nutzen beim Schreibens als „nur“ den, damit gute Texte zu produzieren. Ich führe drei Vorteile im Folgenden für Sie aus, denn ich möchte Sie dazu motivieren, Ihr Schreiben als eine bereichernde Tätigkeit zu gestalten. Das ist dann auch der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Buch.

Die persönliche und berufliche Entwicklung fördern

Also hier die drei wichtigsten Vorteile des Schreibens für Publikationen:

1.     Sie sorgen für Ausgleich. Was im Trainer-Arbeitsalltag häufig fehlt, ist die Gegenbewegung zum schnellen und außenorientierten Arbeiten wie z. B. Menschen treffen, Telefonieren, E-Mails checken, Seminare leiten, Reisen. Die Gegenbewegung dazu ist ein Nach-innen-Wenden mit Zeiten, in denen Sie sich auf sich selbst besinnen und Abstand vom Außen gewinnen. Beim Schreiben vollziehen Sie genau diese Wendung: Sie arbeiten ruhig und innenorientiert. Sie widmen sich Ihrer inneren (Gedanken-)Welt. Schreiben kann also eine hervorragende Regenerationsbewegung im Arbeits­alltag sein.

2.     Sie werden überzeugender. Im Schreibprozess für ein Buch, einen Artikel, setzen Sie sich intensiv mit den Inhalten auseinander. Ihr Text zeugt später von dieser Auseinandersetzung und Sie können neue Erkenntnisse, besondere Erfahrungen oder eine gewagte These durchdacht vermitteln – mündlich oder schriftlich. Und andere schließen vom Text auf Sie: Auch Sie als Person wirken damit kompetent, fundiert, überzeugend – und sind es eben auch wirklich. 

3.     Sie denken beim Schreiben weiter. Während des Schreibens zeigen sich plötzlich neue Gedankenwege. Es tauchen andere Ideen auf als jene, die Sie sonst im Kopf oder im Gespräch entwickeln. Sie schreiben sich konzentriert in ungeahnte Tiefen, denn Sie können durch Schreiben besonders komplex denken. „Entdeckendes Schreiben“ nennen Schreibforscher das. Ich habe daraus einen eigenen Ansatz entwickelt: „Schreibdenken“.

Hier stelle ich dieses Schreibdenken als ein Werkzeug vor, mit dem Sie unter anderem die gesamte konzeptionelle Vorarbeit und begleitende Arbeit für ein Buchprojekt leisten können.

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Schreibdenken: Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen

„Ich schreibe, um herauszufinden, worüber ich nachdenke.“ Der Schriftsteller Edward Albee hat damit die Grundidee des Schreibdenkens auf den Punkt gebracht. Beim Schreibdenken knüpfen Sie sehr konzentriert und in anderem Denktempo an Ihre Gedanken- und Gefühlswelt an. So fungiert Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug und nicht wie gewohnt, um öffentliche Texte zu produzieren.

Und hier sind die Regeln bzw. Grundhaltungen, die Sie für Schreibdenken brauchen. Schreiben Sie:

  • unzensiert und assoziativ – alle bewertenden Gedanken werden verbannt;
  • privat – kein anderer liest die Texte;
  • schnell und kurz – fünf Minuten reichen meist;
  • besonders konzentriert – das gelingt viel besser als beim schweifenden Kopfdenken;
  • neugierig – das ist ohnehin die richtige Haltung gegenüber den eigenen Gedanken;
  • auch handschriftlich, nicht nur mit der Tastatur – für schnelle Denkskizzen und andere Textbilder;
  • mit Auswertung und Kernsätzen – so fokussieren Sie sich auf das Wesentliche.

Dies wird besser an einem Beispiel deutlich: Der „Fokussprint“ ist DIE Basistechnik des Schreibdenkens, die Sie übrigens auch in Seminaren einsetzen können. Sie schreiben dabei so schnell wie möglich Ihre innere Sprache auf – fokussiert auf ein Thema.

 


Übung „Fokussprint“

  • Formulieren Sie eine Überschrift zu Ihrem Thema: eine Frage, ein Stichwort oder einen Satzanfang.
  • Schreiben Sie dazu fünf Minuten lang Ihre Gedanken wörtlich auf: so schnell wie möglich, ohne innezuhalten, ohne zurückzulesen, ohne sich selbst zu bewerten und ohne zu korrigieren. Lassen Sie die Hände erst ruhen, wenn die fünf Minuten vorbei sind.
  • Wenn Ihnen einmal nichts einfällt, so schreiben Sie das letzte Wort wieder und wieder auf – bis Ihr Denken wieder Fahrt aufnimmt.
  • Falls Sie vom Thema Ihrer Überschrift abschweifen, erinnern Sie sich wieder neu an
    Ihren Fokus.
  • Lesen Sie für die Auswertung Ihren Text durch und markieren Sie das, was Ihnen wichtig erscheint. Wörter, Satzfragmente, Sätze.
  • Schreiben Sie zum Abschluss einen Kernsatz unter Ihren Text, der das Wichtigste griffig
    gefasst auf den Punkt bringt.
  • Heben Sie diesen Kerngedanken hervor. Er ist Ihre Essenz.

Wenn Sie diese Übung ausprobieren und für gut befinden, schreiben Sie täglich einen Fokussprint – Sie motivieren sich damit enorm fürs Schreiben und ersparen sich die beim Schreiben fast übliche Aufschieberitis. Denn: „Motivation entsteht durch Tun“. Und eine hervorragende Schreibmotivation brauchen Sie für Ihr Buchprojekt.

Wie Sie dieses Buchprojekt konzipieren und einen Verlag dafür suchen? Dazu lesen Sie von mir im nächsten Magazin (TrainerJournal Nr. 87). Jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal: Viel Freude beim Schreibdenken!

Literatur-Empfehlungen

  • Ulrike Scheuermann: Wer reden kann, macht Eindruck – wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibfitnessprogramm für mehr. Linde Verlag, 2., aktualisierte Auflage 2013: 19,90 €
  • Ulrike Scheuermann: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. Linde Verlag 2011, Arbeitsbuch im Din-A-4-Format: 19,90 €
  • Ulrike Scheuermann: Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Barbara Budrich/UTB, 2. überarb. Auflage 2013: 9,99 €

Zur Autorin: Ulrike Scheuermann

ist Sachbuchautorin, Diplom-Psychologin und Rednerin und gehört zu den profiliertesten Schreibcoachs im deutschsprachigen Raum. Seit rund 20 Jahren unterstützt sie Sach- und Fachbuchautoren, Wissenschaftler und andere, die beruflich schreiben, beim Schreiben und Publizieren sowie bei der Fokussierung auf das Wesentliche.

www.ulrike-scheuermann.de

 

Unser Tipp für Interessierte: Jedes Jahr im Frühling findet ihr Intensiv-Seminar „Sachbücher schreiben“ in Berlin statt, und am 25. September 2015 ihr Seminar "Schreibfitness – Schreiben mit System und Schaffensfreude".

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