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Autoren-Werkstatt (3): Schreiben mit System und Schaffensfreude - Die Manuskript-Phase

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Autoren-Werkstatt

Schreiben mit System und Schaffensfreude:
Die Manuskript-Phase

Ulrike Scheuermann

In drei Beiträgen gibt Ulrike Scheuermann Impulse, wie aus Trainern Buchautoren werden. Im dritten Beitrag geht es um die Phase nach dem Verlagsvertrag. Sie erfahren, wie Sie Ihr Manuskript so schreiben, dass es rechtzeitig fertig wird und wie Sie dabei mit System und Schaffensfreude arbeiten.

Viele angehende Buchautoren unterschätzen die Manuskriptphase – bzw. vorab die Arbeit an ihrem Probetext: „Hauptsache, der Vertrag ist da, dann muss ich nur noch aufschreiben, was ich im Kopf habe“. In der Praxis sieht es dann oft anders aus: Das Schreiben passt nicht so recht in den extravertierten Arbeitsalltag von Trainings, To-do-Liste und Telefonaten. Zudem entpuppt sich das Schreiben viel zeitaufwändiger als erhofft und darüber hinaus kommen viele Ideen nicht so flüssig aus dem Kopf aufs Papier wie erwartet. Deshalb habe ich einige Hinweise für Sie, wie Sie gut durch die Manuskriptphase kommen.

Ein realistisches Zeitgefühl entwickeln

Sobald klar ist, wann Sie Ihren Probetext und später dann Ihr Manuskript fertig haben wollen oder müssen, sollten Sie mit einer Zeitplanung und einer Schreibstreckenplanung beginnen: Wie viele Seiten – umgerechnet in Zeichen – soll Ihr Text haben und wie viel Zeit an welchen Tagen planen Sie jeweils?

Hintergrund: Das eigene Zeitgefühl trügt bei großen Schreibprojekten fast immer: Zu Beginn wähnen die meisten Schreibenden noch viel Zeit vor sich, recherchieren ausführlich und kommen lange nicht ins Schreiben. Dann naht die Deadline und viel zu spät entsteht der – oft hilfreiche – Druck.

Planen Sie deshalb so, dass Sie den Druck möglichst weit nach vorne verlagern und damit die Abschlussphase entlasten. Folgende Daumenregel kann helfen: Reservieren Sie die Hälfte der gesamten Schreibzeit für die Überarbeitungsphase.

Die 7 Phasen im Schreibprozess

Mit den folgenden Hinweisen für die sieben Phasen im Schreibprozess schreiben Sie Ihr Manuskript mit mehr System und Schaffensfreude:

1. Einstimmen

Stimmen Sie sich auf einen erfolgreichen Schaffensprozess ein, zum Beispiel, indem Sie erst einmal einen passenden Schreibort finden. Stellen Sie sich zudem einen wohlwollenden Leser vor. Und mit kleinen Startritualen wie Aufräumen, WLAN ausschalten, Teekochen oder Schreibstartübungen, einer Visualisierung Ihrer Kernaussage oder mit Musik kommen Sie in Schwung.

2. Ideen entwickeln

Nutzen Sie das Schreibdenken, das ich im ersten Teil dieser Beitragsreihe vorstellt habe, um möglichst unzensiert Ihre Ideen zu jedem Kapitel zu aktualisieren und die gesamte Manuskriptphase damit zu begleiten. Denken Sie groß und entwickeln Sie beim Schreiben Ihr Denken weiter. Später können Sie ggf. Teile davon in Ihren Rohtext integrieren oder als „Formulierungssteinbruch“ nutzen. 

Übung: „Textpfad“ (ca. 5 Minuten)
  • Notieren Sie auf einem Blatt Papier eine Überschrift für den Abschnitt, den Sie mit dem Textpfad planen wollen.
  • Formulieren Sie auf der linken Seite des Blattes untereinander mit etwas Abstand die Strukturelemente in Stichpunkten, die Ihr Textabschnitt enthalten soll. Etwa so: Sie wollen mit einer starken These in den Abschnitt einsteigen – Sie schreiben das Wort „These“ auf. Dann sollen zwei Argumente folgen – Sie schreiben unter die These „Argument 1“, darunter „Argument 2“. Dann folgt vielleicht ein Beispiel, und so weiter.
  • Verbinden Sie die Strukturelemente mit einer Linie und umranden Sie sie: Verwenden Sie verschiedene Formen für die Umrandung, etwa eine Raute für alle Argumente, eine Ellipse für Ein- und Ausstieg, Wolkenformen für Beispiele.
  • Sobald Ihre Strukturelemente feststehen, schreiben Sie rechts neben jedes Strukturelement Stichpunkte zu den Inhalten.
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3. Strukturieren

Ihre Gliederung haben Sie für Ihr Konzept ja schon vorab fertig gestellt. Bedenken Sie aber, dass sie sich im Verlauf eines großen Schreibprojektes an der einen oder anderen Stelle vermutlich noch ändern wird. Eine flexible Gliederung ist sogar gewollt. Und bei der Feinplanung der einzelnen Textabschnitte strukturieren Sie jeden Abschnitt vorab, z.B. mit dem Textpfad (siehe Kasten). Das ist eine Technik, die ich entwickelt habe, um Schreibenden zu helfen, den Roten Faden zu verfolgen und sich das nachfolgende Rohtexten zu erleichtern.

4. Rohtexten

Das wichtigste für die Rohtextphase: Bleiben Sie beim Schreiben Ihrer Erstfassung im Denk- und Schreibfluss und ohne an Details hängen zu bleiben! Verschieben Sie alle Überarbeitungen auf später. Das würde die ohnehin anspruchsvolle Rohtextphase überfrachten. Um sich dieses Vorgehen zu erleichtern, markieren Sie mit Sonderzeichen oder mit kurzen Kommentaren im Text, was Ihnen unausgereift erscheint, um später darauf zurückzukommen.

5. Reflektieren, ruhen und reifen lassen

Lassen Sie Ihren Text zum Reifen eine Weile liegen – mindestens über Nacht – bevor Sie mit dem ersten Überarbeitungsdurchgang beginnen. Fragen Sie außerdem jetzt schon erste Feedbackleser an. Instruieren Sie sie gut: Es geht vorerst nur um ein Feedback zu Inhalt und Struktur, nicht zum Stil, denn Sie haben ja noch nicht überarbeitet.

6. Überarbeiten

Mit einer 50:50-Zeitplanung haben Sie jetzt noch viel Zeit fürs Überarbeiten. Schreibprofis wissen um die Bedeutung des gründlichen Überarbeitens und überarbeiten ihre Texte drei- bis fünfmal. Erst dann wird aus einem passablen ein wirklich guter Text. Lassen Sie sich dafür Ihren Text so fremd wie möglich werden: Formatieren Sie ihn anders, drucken Sie ihn aus, lesen Sie ihn laut vor und gehen Sie fürs Lesen an einen anderen Ort. Überarbeiten Sie Ihren Text nun am besten vierschrittig, mindestens aber in zwei Phasen aufgeteilt:

1.) Zuerst prüfen Sie intuitiv den Gesamteindruck, dann
2.) Inhalt und Struktur. Erst nach diesen beiden Schritten gehen Sie weiter zu
3.) den Details und überarbeiten Stil, Wortwahl und Satzbau, sowie schließlich
4.) Rechtschreibung, Zeichensetzung und andere Feinheiten.

7. Veröffentlichen

Finden Sie den Abschluss und riskieren Sie, dass Sie keinen perfekten Text abliefern – sonst würden Sie nämlich ewig darauf sitzen bleiben. Kein Text ist jemals perfekt. Spätestens, wenn Sie Ihr Manuskript aus den Händen gegeben haben, beginnen Sie mit der Werbung für Ihr Buch und damit, sich auf Ihre neue Rolle als Buchautor/in und als Person des öffentlichen Lebens vorzubereiten.


Eine Übersicht über den Schreibprozess (D, E) auf einer Seite mit Tipps finden Sie unter:

www.akademie-fuer-schreiben.de/downloads 

Bücher von Ulrike Scheuermann:

  • Wer reden kann, macht Eindruck – wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job. Linde Verlag, 2., aktualisierte Auflage 2013, 19,90 €
  • Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. Linde Verlag 2011, Arbeitsbuch im DIN A 4-Format, 19,90 €
  • Schreibdenken – Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. 2., überarbeitete Auflage 2013, 9,99 €

Die Autorin: Ulrike Scheuermann

ist Leiterin der „Akademie für Schreiben“ und gehört zu den profiliertesten Schreibcoachs im deutschsprachigen Raum. Die Diplom-Psychologin unterstützt seit 20 Jahren Sach- und Fachbuchautoren, Wissenschaftler und andere, die beruflich schreiben, beim erfolgreichen Schreiben und Publizieren sowie in ihrem zweiten Geschäftsbereich „Das Wesentliche leben“ bei der Fokussierung auf das, was im Leben wirklich zählt und darauf, alle Seiten der eigenen Person und des Lebens anzunehmen. Sie ist selbst gerade in der Manuskriptphase für ihr siebtes Buch, das im Herbst 2016 bei Knaur erscheint.

www.akademie-fuer-schreiben.de 

www.ulrike-scheuermann.de 

Unser Tipp für Interessierte:

Jedes Jahr im Frühling findet in der „Akademie für Schreiben“ in Berlin das Intensiv-Seminar „Sachbücher schreiben“ mit Ulrike Scheuermann statt – Schwerpunkt: Buchentwicklung und -Konzeption.

Jedes Jahr im Herbst findet das Seminar „Schreibfitness – Schreiben mit System und Schaffensfreude“ statt – für die Buch-Manuskriptphase und allgemein für effektives und inspiriertes Schreiben.

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