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Schreiben für Trainer, Berater und Coaches (3): Die passenden Strategien für Ihren Schreibprozess

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Schreiben für Trainer, Berater und Coaches (3)

Die passenden Strategien für Ihren Schreibprozess

Ulrike Scheuermann

Am Ende soll der Text gut sein. Natürlich. Das wollen alle, die schreiben. Doch allein das Wissen, was einen gut strukturierten und stilistisch souverän formulierten Text ausmacht, hilft noch nicht dabei, ihn auch effektiv und effizient, inspiriert und mit System & Schaffensfreude zu schreiben. Dazu brauchen wir etwas anderes: Know-how zum Schreibprozess – und das ist im Land der Dichter und Denker immer noch eine Black Box. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen für jede Schreibphase meine Best-of-Strategien aus 20 Jahren Schreibcoaching, -seminaren und drei Büchern zum Thema Schreibprozess und Schreibdenken vor.

Als erstes schlage ich Ihnen vor, über Ihren eigenen Schreib-Prozess nachzudenken. Der ist nämlich sehr individuell. Es gibt nicht DAS richtige Vorgehen. Deshalb bitte ich in meinen Schreibfitness-Seminaren zu Beginn, den eigenen Schreibprozess als Schaubild zu skizzieren.

Das könnten Sie jetzt auch tun! Leitende Fragen dazu: Wie gehen Sie in Ihrem Schreibprozess vor? Welche Handlungen und Denkprozesse gehören dazu? Notieren Sie jede Tätigkeit, möglichst kleinteilig. Reden Sie zum Beispiel erst mit jemandem über Ihr Thema? Machen Sie sich Notizen in der Bahn? Wann recherchieren Sie im Netz? Packen Sie sich zum Schreiben Ihre Lieblingsmusik auf die Ohren? Und: An welchen Stellen im Prozess hakt es bei Ihnen bevorzugt? Meist sehe ich dann auf den Blättern der Teilnehmer ziemlich wilde Skizzen mit Pfeilen, Kreisen, Spiralen – und Fragezeichen oder Ausrufezeichen. Denn irgendwo hakt es bei jedem im Schreibprozess. Häufig vor oder während des Rohtextens. Andere kommen dagegen bei der Gliederung nicht so recht voran. Und wieder andere verlässt der Elan, wenn es ans Überarbeiten geht.

Sie merken: Nachdenken über den eigenen Schreibprozess lohnt sich, weil man damit Verbesserungspotenziale aufspürt. Es ist der erste Schritt, um die Schreibkompetenz zu verbessern. Der zweite: Herausfinden, welche neuen Strategien passen könnten. Der dritte Schritt: Neues umsetzen, Erfahrungen damit machen, wiederum an den eigenen Bedarf anpassen und so weiter. So können Sie mit der Zeit ein Vorgehen entwickeln, das perfekt zu Ihrem Schreibtyp und zu Ihren Schreibaufgaben passt.

Der 7-Phasen-Schreibprozess

Ich habe im Lauf der Jahre ein Prozessmodell mit sieben Schritten entwickelt. In Ihrer Praxis wird das anders aussehen: vielleicht mehrschrittiger, in anderer Reihenfolge. Suchen Sie sich aus den folgenden Vorschlägen das heraus, was Sie voranbringen könnte. Doch Achtung: Never touch a running system!

Schreibprozess mit den wichtigsten Tipps für jede der sieben Phasen:

  • 1. Einstimmen
  • Den passenden Schreibort finden. Das muss nicht unbedingt Ihr Büroarbeitsplatz sein.
  • Auf einen erfolgreichen Schaffensprozess einstimmen, z.B. mit kleinen Vorbereitungen, Musik oder an Ihre Kernaussage denken.
  • Verhindern Sie innere und äußere Ablenkungen wie E-Mail-Checken, „Schnell-mal“ Surfen, Telefonieren, … oder Störfaktoren ausblenden!
  • Schreibstrecke planen und ein realistisches Zeitgefühl zum Schreibprojekt entwickeln. Erfordert meist mehr Zeit einzuplanen, als vorgesehen.

2. Ideen entwickeln

  • Sammeln Sie unzensiert Ihre Ideen und denken Sie damit anders als gewohnt weiter.
  • Immer etwas bei sich tragen, um Gedanken zu dokumentieren, etwa ein Notizbuch, ein Diktiergerät oder Ihr Smartphone.
  • Gewinnen Sie einen Überblick über Ihr Thema durch schnelles Lesen / Recherchieren.
  • Thema eingrenzen und verdichten, um zum Wesentlichen, zu Ihrer Kernaussage zu kommen.

3. Strukturieren

  • Planen Sie Ihre Gliederung mit Hilfe von Gedankenlandkarten, die zu kreativem Denken einladen (mit Mindmaps oder Pinnwand).
  • Wenn Sie erst drauflosschreiben möchten: Entwickeln Sie die Struktur nach und nach durch „Rückstrukturieren“.
  • Zeit für die Datenerhebung oder Materialauswertung bei wissenschaftlichem Arbeiten einplanen.
  • Lesen Sie nun fokussiert und exzerpieren Sie.
  • Planen und Drauflosschreiben verbinden: Planen Sie früh, wenn es schnell gehen muss und spät, wenn der Inhalt noch unklar ist.

4. Rohtexten

  • Rohtext im Denk- und Schreibfluss schreiben und ohne an Details hängen zu bleiben! Verschieben Sie alle Überarbeitungen auf später.
  • Markieren Sie mit Sonderzeichen oder Kommentaren im Text, was Ihnen unausgereift erscheint, um später darauf zurückzukommen.
  • Lesen Sie jetzt nur noch Ihre eigenen Notizen / Exzerpte und keine fremden Texte mehr!

5. Reflektieren

  • Text ruhen und in Gedanken reifen lassen – mindestens eine Mittagspause lang, besser über Nacht bzw. einige Tage lang.
  • Schon jetzt ein Feedback zu Inhalt und Struktur einholen, nachdem der Rohtext geglättet wurde.

6. Überarbeiten

  • Reservieren Sie ungefähr die Hälfte Ihrer Schreibzeit fürs Überarbeiten.
  • Text erst in Hinblick auf Gesamteindruck, Inhalt und Struktur überarbeiten. Umformulierungen und Korrekturen folgen später.
  • Text „fremd werden lassen“, z.B. durch umformatieren. Drucken Sie ihn aus und lesen Sie ihn an einem anderen Ort.

7. Veröffentlichen

  • Seien Sie stolz auf Ihren Text und werben Sie voller Überzeugung für ihn.
  • Nutzen Sie Ihren Text, um erfolgreicher zu werden, z.B. bei der Akquise oder bei Bewerbungen.
  • Bereiten Sie sich darauf vor, mehr beachtet und bekannter zu werden.
  • Entwickeln Sie einen eigenen Standpunkt zu Kritik und finden Sie Gegenargumente.

Es geht immer weiter

Trotz aller Gemeinsamkeiten, die sich im Schreibprozess bei vielen Schreibenden ausmachen lassen, gibt es doch große Unterschiede. Von Mensch zu Mensch, aber auch abhängig von der Schreibaufgabe, der Schreibsituation und der Lebensphase: Wer den Inhalt für sein Schreibprojekt schon genau kennt, kann planvoll vorgehen und schreibt den Rohtext vermutlich ohne große Abweichungen runter. Wer aber – wie viele Trainer, Speaker und Coachs – beim Schreiben seine Gedanken noch weiter entwickelt und dabei neue Denkwege beschreitet, braucht das Drauflosschreiben, um Neues zu entdecken.

Diese Schreibtypen lernen Sie in der nächsten TrainerJournal-Ausgabe kennen. Bis dahin konnten Sie in Ihrem Alltag bewusste Erfahrungen mit Ihrem Schreibprozess sammeln – und das ist genau die richtige Voraussetzung, um sich die Schreibtypen näher anzusehen und daraus mithilfe eines Schreibtypen-Checks Ihre individuell passenden Strategien zu entwickeln.

Literaturtipps

  • Ulrike Scheuermann: „Die Schreibfitness-Mappe – 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben” Linde Verlag, 2011. Auszeichnung der Managementbuch-Redaktion!
  • Ulrike Scheuermann: „Wer reden kann, macht Eindruck – wer schreiben kann, macht Karriere“, Linde Verlag, 2. Auflage 2013
  • Ulrike Scheuermann: „Schreibdenken – Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln”, Budrich /UTB, 3. Auflage 2016

Unser Tipp: Ihre Seminare „Sachbücher entwickeln“ und „Schreibfitness“ in Berlin finden mehrmals jährlich mit einer Online-Vorbereitungsphase statt. 

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Die Autorin: Ulrike Scheuermann

ist Inhaberin und Leiterin der „Akademie für Schreiben“ und gehört zu den profiliertesten Schreibcoachs im deutschsprachigen Raum. Die Diplom-Psychologin unterstützt seit 20 Jahren Sach- und Fachbuchautoren, Wissenschaftler und andere, die beruflich schreiben, beim erfolgreichen Schreiben und Publizieren. In ihrem zweiten Geschäftsbereich „Das Wesentliche leben“ hilft sie Menschen dabei, herauszufinden, was für sie wirklich zählt, dieses „Eigene“ zu leben und innerlich frei zu werden. Ihr siebtes Sachbuch, „Innerlich frei – Was wir gewinnen, wenn wir unsere ungeliebten Seiten annehmen“ ist gerade bei „Knaur“ 
erschienen.

www.ulrike-scheuermann.de | www.akademie-fuer-schreiben.de 

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Termine auf: www.akademie-fuer-schreiben.de

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