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Qualität in der Weiterbildung: Ausgangslage, Qualitätsbegriff und Chancen für den Trainer-Markt

Alfred Toepper Foto2016 

Qualität in der Weiterbildung

Ausgangslage, Qualitätsbegriff und Chancen für den Trainer-Markt

Alfred Töpper

Die Bereitschaft und Fähigkeit zum lebenslangen Lernen sowie das Lernen selbst sind für die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit ausschlaggebend (Hof, 2009). Entsprechend ist davon auszugehen, dass die berufliche Weiterbildung weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die Menschen stehen zunehmend vor der Herausforderung, sich ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen bewusst zu werden und diese mit den sich ständig verändernden beruflichen Anforderungen abzugleichen, sie anzupassen und weiterzuentwickeln. Gegenwärtig und in der Zukunft müssen die Menschen mehr Freizeit und Geld in ihre Fortbildung investieren, um ihre Chancen auf den Arbeitsmärkten zu erhalten.

Hierin liegt ein großes Potenzial für Trainer, wenn sie den steigenden Qualitätsansprüchen genügen und stärker auf die Wirksamkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit fokussieren. Gelingt es, die spezifischen Kompetenzen der Trainer nach außen sichtbar zu machen und zudem den „Bildungserfolg“ zu messen und zu bewerten, ergibt sich ein erheblicher Marktvorteil.

Mittels Darlegungen der Möglichkeiten der Kompetenzbestimmung und deren Darlegung, der Sicherstellung und Steuerung der zentralen Einflussfaktoren (EF) für das Gelingen von Bildungsdienstleitungen sowie des Einsatzes von validierten Messinstrumenten zur Bestimmung des Ergebniserfolges und der „Bildungsrendite“ können Trainer sich fundamental von der Konkurrenz abheben bzw. ihre spezifischen Kompetenzen gezielter vermarkten.

Ein Dreh-und Angelpunkt ist zunächst die Qualität der Bildungsdienstleitung und deren Sicherstellung, die zentral durch Lehrende und Lernende bestimmt wird. Dabei lässt sich die Frage „Was ist Qualität?“ nicht einfach beantworten. Dieser inflationär gebrauchte Begriff ist scheinbar selbsterklärend, er ist jedoch gefüllt mit Subjektivität und verschiedensten Wertvorstellungen (Hartz, 2011). An dieser Stelle sei auf eine ausführliche Klärung des Begriffsverständnisses zu Qualität verzichtet und hierbei auf die unterschiedliche Sichtweise der Produktqualität vom noch heute viel zitierten amerikanischen Wissenschaftler David A. Garvin verwiesen (Garvin, 1984).

Die Produktqualität von Bildungsdienstleistungen weist einige Besonderheiten auf. Sie wird nämlich nicht vom Dienstleister allein hergestellt, sondern in der Interaktion von Lehrendem und Lernendem erzeugt. Sie wird also wesentlich durch den Lernenden oder in der Sprache der Qualitätsmanagementsysteme, den Kunden, mitgestaltet. Die in der Lehr-Lern-Interaktion sich herstellende Qualität ist von zentraler Bedeutung.

Hierbei geht es um professionelles pädagogisches Handeln in situativ angemessener Weise in konkreten Lehr-Lern-Sequenzen. Dies ist – so ein Tenor im pädagogischen Diskurs – nur schwer mit QM-bezogenen Verfahren steuerbar. Entsprechend schwierig ist es Indikatoren für die Qualität von Lehr-Lern-Prozessen systematisch zu bestimmen.

Ziel muss es sein, die Distanz zwischen einem, aus dem ökonomischen Diskurs stammenden Qualitätsmanagement, und einer pädagogischen, auf das professionelle Handeln gerichteten Qualitätssicherung zu verringern.

Daher ist es ein zentrales Ziel, Merkmale des pädagogischen Handelns und der Kompetenzen von Trainern durch geeignete Diagnostiken zu identifizieren und nach außen sichtbar zu machen. Zudem besteht die Möglichkeit für Trainer, sich durch geeignete anerkannte Qualifizierungen bzw. Maßnahmen ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen weiterzuentwickeln und anerkennen zu lassen.

Neben der zentralen Rolle der Trainer bestimmt ein Bündel weiterer zentraler Einflussfaktoren die Güte von Bildungsdienstleistungen. Diese Faktoren lassen sich aber zu einem erheblichen Teil von Bildungsdienstleistern steuern bzw. positiv beeinflussen. Trainer bzw. Bildungseinrichtungen die diese Steuerungsfähigkeit besitzen und nutzen, können erhebliche Wettbewerbsvorteile erzielen. Dieses gilt insbesondere dann, wenn die Gütekriterien nach außen sichtbar gemacht werden können und auf Akzeptanz stoßen.

Bedingungen hierfür sind wiederum ein in sich stringentes Qualitätsverständnis, die Nutzung von Ergebniserfolgsmessungen und Bewertung der Qualifizierungsergebnisse und die Schnittstellenpassung zu Qualitätsanforderungen der Auftraggeber.

Es stellt sich nun die Frage wieweit ein realistisches Bild über den Bildungsdienstleiter bzw. die Bildungsdienstleistung und seine Steuerungsfähigkeiten gezeigt werden kann und dieses auch seitens der zu erreichenden Zielgruppe(n) auf Akzeptanz und Verbreitung bzw. Nutzung stößt.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der „Beherrschung“ und Bearbeitung folgender Bausteine:

  • Bestimmung und Entwicklung der Trainer-Kompetenzen als Basis guter Bildungsdienstleistungsqualität
  • Steuerungsfähigkeit und Steuerungskompetenz von Trainern und Bildungsdienstleistern
  • Evaluierung, Messung der Bildungsrendite und Sicherung der Nachhaltigkeit.
  • QM-Sicherung, -entwicklung und dessen Vermarktung aus Sicht der Bildungs-/Qualifizierungsziele als Erfolgsschlüssel und dessen Einbettung in QM-Systeme.

Nehmen wir die EF der Lehrenden in den Blick: Bestimmung und Entwicklung der Trainer-Kompetenzen als Basis guter Bildungsdienstleistungsqualität.

Zunächst stellt sich die Frage, welche Einflussfaktoren Basis guter Bildungsdienstleistung sind. Es geht hierbei um zentrale Persönlichkeitseigenschaften von Trainerinnen und Trainer, die Einfluss auf die Qualität von Weiterbildung haben (Töpper, 2012). Nachfolgend sind zu verschiedenen Bereichen relevante Einflussfaktoren auf die Bildungsdienstleistungen aufgelistet

Berufliche Orientierung

  • Leistungsmotivation
  • Gestaltungsmotivation
  • Führungsmotivation

Fachspezifische Kompetenzen

  • Fachliche Expertise
  • Didaktische Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Situative Kompetenzen: Vermittlung der Relevanz für die Lernenden
  • Situative Kompetenzen: Anpassung des Lerntempos an die Lernenden
  • Situative Kompetenzen: Aktivierung von Transferleistungen

Methodenkompetenz und Arbeitsverhalten

  • Schlussfolgerndes Denken
  • Gewissenhaftigkeit
  • Flexibilität
  • Handlungsorientierung

Sozialkompetenz

  • Sensitivität
  • Kontaktfähigkeit
  • Soziabilität
  • Teamorientierung
  • Durchsetzungsstärke

Selbstkompetenz / Psychische Konstitution

  • Emotionale Stabilität
  • Belastbarkeit
  • Selbstbewusstsein

Die Einflussfaktoren lassen sich mittels verschiedener Verfahren erheben und alle mittels einer einheitlichen Skala (Sten-Skala) darstellen. Die Basis für die Erhebungsmethoden sind verschiedene psycho-diagnostische Testverfahren sowie ein standardisiertes multimodales Interview (MMI) mit einem passenden und hierfür eigens entwickelten Interviewleitfaden. So findet beispielsweise das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP) Anwendung. Es dient der standardisierten Erfassung des Selbstbildes von berufsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen. Bestimmt man parallel die optimalen Ausprägungsbereiche zu den Faktoren, so ergibt sich ein Traineranforderungsprofil mit optimalen Ausprägungsbereichen – den Idealbereichen. Zudem lassen sich Bereiche mit Entwicklungspotenzial sowie Bereiche, die außerhalb des Anforderungsprofils liegen, definieren.

Über QBB können sich die Trainer auch eine Selbsteinschätzung erhalten, die insofern spannend ist, da diese häufig eine hohe Korrelation zu den Diagnostik-Ergebnissen ausweist und damit Handlungsfelder aufzeigt.

Der Autor: Alfred Töpper

Geschäftsführer QBB, ist Diplom-Mathematiker mit jahrelanger Erfahrung als Abteilungsleiter und Projektleiter bei der Stiftung Warentest. Die Bildungstests wurden von ihm maßgeblich geprägt. Schwerpunkte sind u.a. die Evaluierung und (ökonomische) Bewertung von Prozessen und Produkten, die Wirksamkeit von Qualifizierungen, die Erstellung von Wissensbilanzen, das Bildungs- und Medizincontrolling.

QBB Qualitätsgemeinschaft - Bildung und Beratung mbH
Alfred Töpper
Gut Wandelheim 1
D-82110 Germering
Tel. 089-23546915
A.Toepper@qbb.de
www.qbb.de 


Hof, C. (2009). Lebenslanges Lernen. Stuttgart: Kohlhammer 2009

Garvin, D. A. (1984). What Does »Product Quality« Really Mean? verfügbar unter http://sloanreview.mit.edu/the-magazine/1984-fall/2613/what-does-product-quality-really-mean/ 15.10.1984].

Hartz, S. (2011). Qualität in Organisationen der Weiterbildung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Töpper, A. (2012). Qualität von Weiterbildungsmaßnahmen – Einflussfaktoren und Qualitätsmanagement im Spiegel empirischer Befunde, Bielefeld: Bertelsmann

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