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Problemlösungsprozesse initiieren: Teamkommunikation

falko wilms 2012

Problemlösungsprozesse initiieren

Teamkommunikation

Prof. Dr. Falko E. P. Wilms

Das Erleben eines Teams ist eng verwoben mit der Art und Weise, wie miteinander gesprochen, geschwiegen und gehandelt wird. Hierzu entwickeln sich im Team Gewohnheiten, die es zu verstehen gilt.

Ausgangspunkt

In einem Team, in dem man mich wirklich zu verstehen versucht, werde ich gerne verweilen. Die teamintern erkennbare Hinwendung zum Anderen ebnet einen Weg in eine gemeinsame Zukunft. Sie zeigt sich an der Art, wie in dem Team mitein­ander (nicht nebeneinander!) gesprochen, geschwiegen und gehandelt wird.

Das zwischenmenschliche Gespräch

Ein zwischenmenschliches Gespräch findet keinesfalls gemäß dem traditionellen Sender-Emp­fänger-Ansatz statt[1]: Beim Sprechen werden eigene Gedanken zu vernehmbaren Lauten geformt (Informationen sind Gedanken in sprachlicher Form). Beim Zuhören geht es darum, von dem Gehörten auf das Gemeinte zu schließen. Verstehen meint daher immer auch, einer sprachlichen Form einen Inhalt zu geben. Je besser sich die Beteiligten kennen, desto leichter fällt das wechselseitige Besprechen und Verstehen von dem, was wirklich wesentlich ist.

falko_wilms_150305a.jpg Abb. 1: Das zwischenmenschliche Gespräch1

Zwischen einander Unbekannten wird genau dies oft hinter einem höflichen Bla-Bla verborgen. Eine wirklich tragende Hinwendung im Gespräch hat somit immer auch damit zu tun, das höfliche Gelaber, politisch Korrekte, das Erwartete zu verlassen und sich auf die Suche nach der gemeinsamen, tragenden Basis zu begeben.

Zur tragenden Basis gehört, dass es in einem Gespräch niemals eine Trennung zwischen dem Zuhörenden und dem Sprechenden bestehen kann: Der Sprechende muss sich selber zuhören, z.B. um seine Lautstärke und seine Sprech­deutlichkeit jederzeit dem Gegenüber anpassen zu können. Der Zuhörende muss dem anderen mitteilen, dass er jetzt zuhört, um dem Gegenüber zum Sprechen ermuntern zu können. In einem Gespräch sind alle Beteiligten zu jeder Zeit
zugleich Gebende und Empfangende von Mit­teilungen.

Kommunikation formt das Team

Man kann kaum erfassen, was ein zwischen-menschliches Gespräch ausmacht. Dieses kaum Fassbare formt das Team und grenzt es nach Außen von anderen Teams ab. Jedes Team von mindestens drei Personen mit unmittelbaren Beziehungen zueinander wird durch die Art zusammengeführt und zusammengehalten, wie die Beteiligten miteinander Sprechen und Schweigen können und wollen.

falko_wilms_150305b.jpgAbb. 2: Kommunikation formt das Team

Mit der Zeit gewöhnen sich die Teammitglieder daran, wie/womit/wozu/wann im Team kommuniziert wird. Wenn dann ein Neuling dazu stößt, wird er von den Teammitgliedern und von sich selbst an seinem Sprechen als Neuling erkannt. Und je länger er sich im Team aufhält, desto besser ist er durch allmähliche Übung in der Lage, die im Team wirksamen Gewohnheiten des miteinander Sprechens und Schweigens zu beherzigen. Wie stark die Gewohnheiten in der Kommunikation ein Team formen, zeigt ein Blick auf gut abgrenzbare Gruppen wie die Teilnehmer an einer Klausur oder die Mitglieder einer Vorstands­sitzung.

Eine wirklich tragende Hinwendung zwischen den Mitgliedern eines Teams zeigt sich dem Außenstehenden sehr deutlich an der Art, wie die Beteiligten miteinander (nicht nebeneinander!) sprechen und schweigen.

Das Team formt die getätigte Kommunikation

Man kann kaum erfassen, was ein zwischenmenschliches Gespräch ausmacht. Dieses kaum Fassbare ist veränderlich und wird vom Team in jedem Augenblick immer wieder erneut geformt und weitergeführt, ohne das Vorherige zu kopieren. Gibt es beispielswiese eine Abschiedsformel wie „bleib mir gewogen, Kollege“ wird dies vom einzelnen Sprechenden und von verschiedenen Teammitgliedern immer wieder anders ausgesprochen.

Die Art, wie und mit welcher Wortwahl im einzelnen Ereignis gesprochen wird, hängt neben der Situation stark von der aktuellen Befindlichkeit des Einzelnen ab. So könnte vielleicht ein konflikt­äres Gespräch etwas ironisch beendet werden mit „bleib mir gewogen, du alter Hirsch“. Die Art und Weise des gezeigten Sprechens und Schweigens wird somit zu jeder Zeit von den Beteiligten geformt und nicht einfach kopiert.
Ein zwischenmenschliches Gespräch besteht aus vergänglichen Ereignissen[2] des Sprechens und des Zuhörens. Jedes gesprochene Wort besteht nur zum Zeitpunkt des Sprechens und ist sofort vergangen.

falko_wilms_150305c.jpgAbb. 3: Das Team formt die Kommunikation

Wenn die Teammitglieder nacheinander gesprochene Worte als zueinander passend empfinden, ergibt sich ein Satz aus Worten, zwischen denen jeweils ein Schweigen bzw. ein Nicht-Sprechen wirksam ist und sofort vergeht. Ein Satz kann nur gesprochen und gehört werden, weil die einzelnen Ereignisse (hier: sprechen und schweigen) jeweils ein Ereignis sind und keine dauer­hafte Existenz haben.

Zwischen Sprechen und Schweigen

Man kann kaum erfassen, was ein zwischenmenschliches Gespräch ausmacht. Das kaum Fassbare, was ein zwischenmenschliches Gespräch ausmacht, besteht aus einzelnen Ereignissen ohne dauerhafte Existenz und ist die Voraussetzung dafür, das (gemeinsam) gesprochen und zugehört werden kann. Das Erleben eines gemeinsamen Teams ist eng verwoben mit der Art und Weise, wie die Teammitglieder miteinander sprechend und schweigend gewohnt sind, sich zueinander hinzuwenden.

Das persönliche Erleben verschiedener Teams ist denn auch eng verwoben mit der beobachtbaren Unterschiedlichkeit in der Art und Weise, wie in den unterschiedlichen Teams mit­einander gesprochen und geschwiegen wird. Um sich in verschiedenen Gesprächen (z. B. in einem ergebnisoffenen Abteilungsleiterworkshop oder in einer Verhandlungsgruppe mit einem vorher abgesprochenem Ziel) einbringen zu können und verständlich zu machen, bedarf es somit grundsätzlich eines persönlichen Gespürs und einer Wahrnehmungsfähigkeit für die jeweils wirk­samen Gewohnheiten des miteinander Sprechens und Schweigens.

Obwohl diese Fähigkeit eine unverzichtbare Grundvoraussetzung für jedes gelungene Gespräch in einem Team oder zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Teams ist, wird sie zumeist übersehen. Wie soll denn ohne diese erlernbare Fähigkeit eine wirkliche, eine tragfähige Hin­wendung zum Gesprächspartner möglich sein? Wie kann denn sonst ein wirkliches Miteinander im Sprechen, im Schweigen und im Tun entlang einer arbeitsteiligen Wertschöpfung möglich werden, das von einem gegenseitigen Verständnis füreinander getragen wird? Und genau dieses Verständnis gilt es im Gespräch zu formen und zu bestätigen, denn dort wo man mich wirklich zu verstehen versucht, dort werde ich gerne ver­weilen.

Der Autor: Prof. Dr. Falko Wilms

arbeitet als Trainer, Fasciliator, Berater & Hochschullehrer. Er leitet die Studiengruppe für Organisations-Entwicklung an der FH 
Vorarlberg in Dornbirn, Österreich. 

falko.wilms@fhv.at | www.staff.fhv.at/wf 

[1]   Vgl.: Wilms, F. E. P. (2012): Ein Gespräch hat weder Sender noch Empfänger, in: TrainerJournal 10/12, S. 25
[2]   Vgl.: Baraldi, C./Corsi, G./Esposito, E.(1997): GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Frankfurt am Main, S. 42f.

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