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Systemisches Konsensieren: Mittels Mitarbeiterbeteiligung Motivation stärken

josef maiwald tj2014 Josef Maiwald

Systemisches Konsensieren

Mittels Mitarbeiterbeteiligung Motivation stärken

von Josef Maiwald

Die Möglichkeit, im Arbeitsleben mitgestalten zu können, stärkt Motivation, Bindung und Teamgeist. Nur, wie erarbeitet man aus vielfältigen und zum Teil sich widersprechenden Ideen weitreichend akzeptierte Lösungen – und das in vertretbarer Zeit? Unsere Methode der Wahl ist auch hier das Systemische Konsensieren in Kombination mit anderen Tools.

Unsere Aufgabenstellung

In den letzten Wochen haben wir in diversen Organisationen Workshops durchgeführt, die dazu dienten, auf der Basis von Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung Maßnahmen zu entwickeln, die eine möglichst breite Akzeptanz finden und die natürlich einen nachhaltig positiven Effekt auf die Qualität der Arbeit und die Unternehmenskultur haben sollen. Der zeitliche Rahmen für die Workshops war mit jeweils einem Tag eng gesteckt.

Analyse der Ist-Situation

Den Workshops vorgeschaltet war im vorliegenden Fall eine sorgfältig konzipierte Online-Befragung. Wie aufwändig diese Mitarbeiterbefragung gestaltet ist, hängt von der Größe der Organisation ab und von der Frage, wie häufig solche Befragungen stattfinden. In anderen Fällen haben wir in der Analysephase auch schon mit telefonischen Interviews und Workshops gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist, dass klar herausgearbeitet wird, mit welchen Arbeits­bedingungen die Mitarbeiter besonders zufrieden bzw. unzufrieden sind.

Ablauf der Workshops

  • Zu Beginn der Workshops haben wir die wichtigsten Ergebnisse der Befragung dargestellt und erläutert (Dauer ca. 1,5 Stunden).
  • Die Teilnehmer erhielten eine kurze Einführung in die Methode „Systemisches Konsensieren“ (Dauer ca. 10 Minuten).
  • Anschließend folgten 2 bis 3 Runden mit mehreren Kleingruppen, in denen die Maßnahmen erarbeitet wurden.
  • Unmittelbar nach Vorstellung der Kleingruppenergebnisse wurden die Vorschläge durch die Gesamtgruppe bewertet und ggf. aufgrund der ermittelten Werte zielgerichtet diskutiert (Dauer je Runde 1,5 Stunden).
  • Durch die Bewertung ergibt sich eine Reihenfolge, die für die spätere Umsetzung der Maßnahmen eine Orientierung darstellt.

Im Folgenden erläutern wir die einzelnen Schritte.

Kurzeinweisung in die Methode Systemisches Konsensieren (SK)

Im vorliegenden Kontext ist es ausreichend, nur kurz in die Methode SK einzuführen. Es geht darum, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, welche Vorschläge eine einheitlich hohe Akzeptanz in der Gruppe haben bzw. an welchen Stellen es Diskussionsbedarf oder größere Bedenken gibt. Besonders wichtig sind die beiden folgenden Hinweise:

  • Die Besonderheiten des SK liegen darin, dass jeder Teilnehmer der gesamten Workshop-Gruppe im Anschluss an die Kleingruppenarbeit alle Vorschläge auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet (0 = keine Bedenken, 10 = max. Widerstand, Zwischenwerte nach Gefühl). Wir gehen davon aus, dass die Kleingruppe überwiegend Vorschläge erarbeitet, die sie selbst gut und überzeugend findet. Durch die Bewertung der Bedenken bzw. Widerstände geht es darum, mögliche Hürden in der Umsetzung zu erkennen und wenn möglich auszuräumen.
  • Durch diese Vorgehensweise ist es nicht notwendig, alle vorgeschlagenen Maßnahmen lange zu diskutieren. Es genügt, ggf. Vor- und Nachteile zu notieren. Die Diskussion erfolgt bei Bedarf zielgerichtet nach der ersten Bewertungsrunde. Es ist dann möglich, den eigenen Wert für einen Vorschlag zu korrigieren bzw.
    einen neuen Vorschlag einzubringen, der die bisherige Argumentation aufgreift und damit zu einer noch besseren Lösung führt.

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Abbildung: Auszug aus den Workshop-Ergebnissen mit Meinungsbild / Priorisierung mittels SK

Erarbeitung von Maßnahmen in Kleingruppen

Die Kleingruppen wurden nach Interessen gebildet. Jede Gruppe hat ein Ergebnis der Befragung herausgegriffen, soweit wie möglich hinterfragt, auf welche Umstände die Aussagen der Mitarbeiter zurückzuführen sind und auf dieser Basis Vorschläge für Maßnahmen entwickelt (Beispiel, siehe Abbildung, bis zur Spalte „Verantwortung“). Bei Bedarf wurden weitere Details auf einem Flipchart festgehalten.

Meinungsbild mittels Konsensieren

Die Tabelle ab Spalte „TN1“ zeigt exemplarisch das Ergebnis der Bewertung. Eine Kleingruppe hat sich speziell mit den Ergebnissen der bis zu 24-jährigen beschäftigt, die teilweise sehr stark von den Ergebnissen der anderen Altersgruppen abwichen. Eine der vorgeschlagenen Maßnahmen war ein Workshop mit dieser Zielgruppe, in der diese noch einmal selbst herausarbeitet, welche speziellen Bedürfnisse sie hat und wie man diesen besser gerecht werden kann. Die meisten Teilnehmer waren von dieser Maßnahme sehr angetan. Nur TN6 war zunächst sehr skeptisch, ob der Workshop mit einem entsprechenden Mehrwert durchgeführt werden kann. Nach einer kurzen Diskussion konnten die Bedenken zumindest soweit ausgeräumt werden, dass er seinen Widerstandswert von 10 auf 6 reduzierte.

Beim Thema Veränderungsfähigkeit und dem Vorschlag „S“ die Mitarbeiter dazu aufzufordern, ihr Informationsinteresse aktiv zu äußern, bestand auch Diskussionsbedarf. Insgesamt waren die Bedenken nicht gravierend (im Mittel 2,83), aber dennoch groß genug, dass dieser Vorschlag nur auf dem 15. Rangplatz landete.

Die Skepsis bei den Vorschlägen „W“ Hospitation und „Y“ mehr Förderungsangebote in die Breite war am größten. Es ist zu erwarten, dass diese Vorschläge nicht realisiert werden.

Abschließende Priorisierung

Durch die Bewertung und das Aufsummieren der Einzelwerte ergibt sich automatisch eine vorläufige Priorisierung der Maßnahmen. Da die Maßnahmen unterschiedliche Arbeits­bedingungen tangieren, der Aufwand und der Zeitraum für die Realisierung sowie die Verantwortlichen variieren, wird in der Praxis die Reihenfolge der Realisierung vom ermittelten Rang (siehe letzte Spalte in der Tabelle) abweichen. Das SK-Meinungsbild gibt jedoch eine gute Orientierung, was die Workshop-Teilnehmer von den erarbeiten Maßnahmen halten.

Erfahrungen und besondere Herausforderungen

Es kommt gelegentlich vor, dass Teilnehmer anfangs durch die Umkehrung der Skala (je höher der Wert, desto weniger akzeptiert) verwirrt sind. Dies gibt sich jedoch schnell. Größer ist die Herausforderung, während der Kleingruppenarbeit nicht unnötig lange zu diskutieren, sondern bei Bedarf wichtige Argumente lediglich zu notieren.

Alles in allem ergibt sich jedoch durch die schlanke Anwendung der SK-Methode ein beschleunigendes Element, sobald die Teilnehmer Vertrauen gefasst haben, dass nicht immer alles ausdiskutiert werden muss, sondern dass es oft auch ausreicht, wenn die Gruppenmitglieder ihre Bedenken in einen Zahlenwert übersetzen. Durch die zusammengefasste Darstellung in der Tabelle hat jeder Teilnehmer einen schnellen Überblick über die erarbeiteten Maßnahmen inklusive der Akzeptanz in der Gruppe.

Weitere Informationen zum Thema

  • TrainerJournal, Ausgaben 6/14, 6/15 und 2/16.
  • Josef Maiwald: Smart entscheiden! Methoden und Strategien, die Sie voranbringen * privat * beruflich * gesellschaftlich; 2014 (auch als E-Book)
  • Siegfried Schrotta: Wie wir klüger entscheiden. Einfach – schnell – konfliktlösend, 2009, (auch als E-Book)
  • www.isykonsens.de
  • smarterlife.de > Impulse > Systemisches Konsensieren
  • www.smart-konsensieren.de
  • Youtube > nach Stichwort „Systemisches Konsensieren“ suchen

Der Autor: Josef Maiwald

ist Dipl.-Psychologe und Spezialist für Personalentwicklung, Talentmanagement, Betriebliches Gesund­heitsmanagement sowie Systemisches Kon­sensieren. Seit über 25 Jahren ist er in der Personal- und Führungskräfteentwicklung für internationale Konzerne, mittelständische Unternehmen sowie öffentliche Verwaltungen tätig. Er ist Begründer des Experten-Netzwerks SmarterLife und seit 2011 Ausbilder und Vorstandsmitglied im Institut für Systemisches Konsensieren, IsyKonsens Deutschland.

Kontakt:

Josef Maiwald
A-BiS Gesellschaft für Unternehmensentwicklung mbH
Zeheterstr. 11
D-83607 Holzkirchen
Tel.: 0 80 24 - 4 77 44 57
entscheiden@smarterlife.de
www.a-bis.de
www.smarterlife.de

Weitere Informationen und Veranstaltungen zu diesem Thema siehe in der nachfolgenden Auflistung und auf der angegebenen Website des Autors.

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