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Coaching-Tools

Welche Coachingtools eignen sich für welche Persönlichkeit?

Frieder Barth

Im Coaching treffen zwei Persönlichkeiten mit ganz eigenen Verhaltensmustern und Handlungsweisen zusammen – die des Coachs und die des Coachees. Sind sie sich ähnlich, wird es wahrscheinlich leicht, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und dem Coachee das Gefühl des Verstandenwerdens zu vermitteln. Je unterschiedlicher jedoch die beiden Persönlichkeiten sind, desto schwieriger wird es für den Coach, von den eigenen Präferenzen weg, sich voll und ganz auf die Persönlichkeit des Klienten einzulassen. Andererseits braucht es genau das Erkennen und Berücksichtigen der Gegensätzlichkeiten, um eine akzeptierende und tragfähige Beziehung als Basis für eine erfolg-reiche Zusammenarbeit zu gestalten.

Sicherlich wird ein erfahrener und erfolgreicher Coach in der Coachingsituation immer die Persönlichkeit seines Coachees in den Vordergrund stellen und seine Coachingmethoden intuitiv so auswählen, dass der Coachee angeregt wird, eine ganz individuelle Veränderungsmotivation zu entwickeln. Intuitiv heißt jedoch nicht immer richtig und bedeutet oftmals, dass Coachs sich selbst oder vergleichbare Coachingsituationen mit anderen Klienten als Maßstab nehmen. Wäre es nicht deutlich erfolgreicher, die Coachingtools bewusst an den Wahrnehmungs- und Entscheidungsmustern des Kunden zu orientieren und sie mit bereits bewährten Methoden zu verbinden?

Unser Coachingansatz auf Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse im Bereich der Motivations- und Persönlichkeitsforschung bietet hierfür einen ganzheitlich-systemischen Ansatz, mit dem es gelingt, gleichzeitig im Gleichklang und im Widerspruch mit den Entscheidungs- und Wahrnehmungsmustern des Coachees zu sein. Ziel ist es, den Coachee mit Blick auf bisherige Handlungsstrategien und durch Erarbeitung neuer Wege über die eigene Komfortzone hinaus zur erfolgreichen Umsetzung seiner Vorhaben zu führen und damit zu seinem Selbstwachstum und seiner Stärkung beizutragen. Mit dem Wissen darüber, wie das Gegenüber tickt und welche Präferenzen und Neigungen dem Handeln dieses Menschen zugrunde liegen, wird im Coaching die Basis für einen lösungsorientierten und wirksamen Beratungsprozess geschaffen.

Die Arbeitsweise des Gehirns berücksichtigen

Eine Erklärung, wie das genau möglich ist, bietet Prof. Julius Kuhl mit seiner Person-System-Interaktion (PSI)-Theorie, die mehrere Ansätze der Persönlichkeitsforschung miteinander vereint und durch umfassende wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegt wird. Er beschreibt vier miteinander vernetzte psychische Systeme in unserem Gehirn, die von jedem Menschen in unterschiedlichem Maße genutzt werden und letztendlich für unsere Wahrnehmung, unser Denken, Fühlen und Handeln verantwortlich sind. Wie viele andere Vertreter der Psychologie greift auch Kuhl auf das Gehirnhälftenmodell zurück, um die im Gehirn vernetzten und sehr komplexen Prozess vereinfacht darzustellen. Er schreibt die unterschiedlichen Aufgaben der Denk- und Wahrnehmungsprozesse den Bereichen der rechten und linken Hemisphäre zu. In der linken Gehirnhälfte verortet er die rational-logischen Prozesse. Hier werden einzelne Informationen wie Zahlen, Zeichen, Buchstaben und Wörter schrittweise und nacheinander verarbeitet.

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Kuhl beschreibt in diesem Zusammenhang zwei psychische Systeme: das Intentionsgedächtnis, das für alle Planungs- und Analyseprozesse bei Entscheidungen wichtig ist, sowie das Objekterkennungssystem, das für die Wahrnehmung von Einzelheiten, Details und Unstimmigkeiten verantwortlich ist.

Auf der jeweils gegenüberliegenden Seite auf der Wahrnehmungs- und Entscheidungsebene sieht Kuhl das Extensionsgedächtnis, in dem sämtliche Lebenserfahrungen abgespeichert sind, die bei Entscheidungsprozessen als wichtige Grundlage dienen sowie das System der intuitiven Verhaltenssteuerung, das mit einer auf die Zukunft gerichteten Wahrnehmung für spontane und impulsive Handlungsumsetzungen verantwortlich ist. Die beiden Systeme der rechten, intuitiv-emotionalen Gehirnhälfte können dabei gleichzeitig viel mehr Informationen verarbeiten. Prozesse laufen oft unbewusst und insgesamt deutlich schneller als bei der linken, rational-logischen Gehirnhälfte, bei der die Informationen im Bewusstsein bleiben und schrittweise nacheinander verarbeitet werden.

Die beschriebenen rechts- und linkshemisphärischen Vorgänge entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung und dienen lediglich der Vereinfachung und einem besseren Verständnis, dass die vier psychischen Systeme sich wechselseitig beeinflussen und der Grad an Vernetzung der Systeme untereinander die individuelle Handlungsmotivation eines Menschen bestimmen. Je nachdem, welche der vier Systeme bei dem Coachee dominieren, gelingt es ihm besser oder schlechter, eine geplante Absicht in die Tat umzusetzen und „Nägel mit Köpfen“ zu machen und aus seinen Fehlern zu lernen und diese in das Erfahrungsgedächtnis zu integrieren. Daher ist es für einen Coach sehr hilfreich, sich über den Wahrnehmungs- und Entscheidungstyp und die individuelle Ausprägung dieser vier Systeme bei dem Coachee bewusst zu sein.

Die verschiedenen Systeme lassen sich auch mit den von Carl Gustav Jung beschriebenen Wahrnehmungs- und Entscheidungsfunktionen erklären und daher in die ganzheitliche Theorie von Kuhl integrieren. Jung beschreibt die Dimensionen fühlende und werteorientierte Entscheidungen (Feeling), die sich bei Kuhl im Extensionsgedächtnis verorten lassen, im Gegensatz zu analytisch-logischen Entscheidungen (Thinking), die den Funktionen des Intentionsgedächtnis ähneln. Der sinnesorientierten Wahrnehmung (Sensing), die mit dem Objekterkennungssystem vergleichbar ist, stellt er die intuitive Wahrnehmung (iNtuition), die bei Kuhl als intuitive Verhaltenssteuerung deklariert wird, gegenüber.

Neuartige Methode der Erfassung und Abbildung psychischer Systeme

Eine ganz neuartige Methode der Erfassung und Abbildung dieser psychischen Systeme auf Grundlage der Jungschen Benennung bietet der iTYPE Profiler, der auf Basis wahrnehmungspsychologischer Erkenntnisse rein visuell die Wahrnehmungs- und Entscheidungsfunktionen misst und damit zeigt, wie Ihr Coachee wirklich tickt.

Dieses Profiling wird meist zu Beginn eines Coachings eingesetzt, so dass der Coachee mit dem Profil mehr über sich und seine Persönlichkeit erfahren kann und der Coach gleichzeitig einen guten Einstieg ins Beratungsgespräch hat. Mit dem Wissen über die individuellen Wahrnehmungs- und Entscheidungsmuster gelingt es dem Coach von Anfang an, aktiv auf die Persönlichkeit seines Coachees einzugehen, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm zu gestalten und für eine erfolgreiche Intervention die Coachingtools und -techniken bewusst anhand der Persönlichkeit des Klienten auszuwählen. Ziel ist es, in dem Beratungsprozess einen ausgewogenen Dialog zwischen analytischen und ganzheitlichen Elementen zu führen, die psychischen Systeme in den jeweiligen Phasen bewusst durch die Auswahl der Methoden zu aktivieren und damit das Coaching gezielt und individuell auf den Coachee anzupassen. Wie das genau gelingt, welche Methoden in welcher Phase des Beratungsprozesses hilfreich sind und welche Fragestellungen bevorzugt welches psychische System ansprechen, werde ich Ihnen in der nächsten Ausgabe des TrainerJournals vorstellen.

Der Autor: Frieder Barth 

studierte Personal- und Managementlehre in Konstanz und St. Gallen. Er absolvierte eine mehrjährige Zusatzausbildung zum systemischen Berater und ist zum „Kommunikationsberater für Verständigung und Menschenführung im beruflichen Bereich“ bei Prof. Schulz von Thun ausgebildet. Frieder Barth ist als Lehrtrainer der European Coaching Association anerkannt.

Mit der Ausbildung zum PSI-Kompetenzberater verfügt er über umfassende Kenntnisse in der Anwendung der von Prof. Kuhl beschriebenen PSI-Theorie. Frieder Barth hat erfolgreich an der Etablierung des iTYPE, einem wissenschaftlich validierten Testverfahren mitgewirkt, setzt dieses in seinen Trainings und Coachings ein und bietet Zertifizierungen für dieses Personalentwicklungsinstrument für Trainer und Coaches an.

Kontakt:

Frieder Barth
Kleine Seilerstraße 1
20359 Hamburg
www.friederbarth.de  
www.itype.eu

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