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Chancen für Training, Beratung und Coaching: Herausforderung Demenz

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Chancen für Training, Beratung und Coaching

Herausforderung Demenz

Nadine Sennewald

In Deutschland leben aktuell 1,4 Millionen Menschen mit Demenz. Fast jeder hat selbst ein erkranktes Familienmitglied oder kennt jemanden, der sich um einen Angehörigen mit Demenz kümmert, sei es im privaten Umfeld oder in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung. Da die Anzahl der alten Menschen weiter steigen wird, wenn in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge das fortgeschrittene Seniorenalter erreichen, wird das jetzt schon aktuelle Thema Demenz weiter an Relevanz zunehmen.

Diagnose Demenz

Als „Demenzielles Syndrom“ bezeichnet man eine Reihe von Symptomen: Gedächtnis-, Orientierungs-, und Konzentrationsstörungen, die auf das Vorliegen einer dementiellen Erkrankung hinweisen. Die Diagnose kann nur von einem Facharzt gestellt werden und stellt für den Menschen mit Demenz und sein soziales Umfeld häufig eine schockierende Diagnose dar, denn Alzheimer und andere demenzielle Erkrankungen sind nicht heilbar, da die Abbauprozesse im Gehirn nicht reversibel sind.

Fähigkeiten und Stärken entdecken

Schaut man in den ICD-10, den Diagnoseleitfaden für psychische Erkrankungen, wird hier aufgeführt, was Menschen mit Demenz nicht mehr können. Das Bild des Betroffenen wird also unter rein defizitären Gesichtspunkten geschildert. Dabei entwickeln die Erkrankten häufig sogar neue Fähigkeiten, bzw. treten besondere Stärken zutage:

So sind Menschen mit Demenz...

  • sehr kreativ und einfallsreich, u.a. wenn es darum geht, dass niemand ihre Einschränkungen bemerkt oder darin, wie sie sich die Welt erklären.
  • enorm sensibel für emotionale Stimmungen, nehmen z.B. unterdrückten Ärger wahr und reagieren darauf.
  • erschreckend ehrlich: so als seien gesellschaftliche Regeln ausgehebelt sagen bzw. spiegeln sie ihr Denken und Erleben.
  • verblüffend vertrauensvoll im Umgang mit – auch fremden – Menschen.

Schaut man beim Menschen mit Demenz nur auf die Defizite, kann daraus viel Leid, Frust und Scham entstehen und das nicht nur beim Erkrankten, sondern auch beim Angehörigen oder Pflegenden. Hier lohnt es sich also mal den Blickwinkel zu wechseln.

Soziale Integration

Im Zusammenleben mit Menschen mit Demenz, sei es im häuslichen Umfeld oder einer Pflegeeinrichtung ist es wichtig, den Menschen als Person wahrzunehmen, nicht über ihn, sondern mit ihm zu reden. Kommunikationsmittel, die wir im Alltag verwenden, erfordern meist ein gewisses Maß an mentalen Fähigkeit und Orientierung. Deshalb sind neue Kommunikationsformen erforderlich um mit dem Betroffenen in Kontakt zu bleiben. Im professionellen Umfeld hat sich hier z.B. die integrative Validation als Methode für den Umgang und die Kommunikation mit Menschen mit Demenz etabliert. Sie basiert auf einer gewährenden und wertschätzenden Grundhaltung, ermöglicht Beziehungsmomente und Kontakt und ist in der Häuslichkeit noch kaum bekannt.

„Eine gute Betreuung kann nur dann verwirklicht werden, wenn es gelingt, die innere Welt der Kranken, d.h. ihre Wahrnehmung, das Erleben und die Denkvorgänge zu verstehen und in den Mittelpunkt aller Bemühungen zustellen.“ (Dr. Jan Wojnar, aus „Die Welt der Demenzkranken“)

Eingeladen werden

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Vielfalt der Stimmungen beim Menschen mit Demenz (Foto: ®Nadine Sennewald) 

Fühlt sich der Mensch mit Demenz wohl in seinem Umfeld und bleibt er sozial integriert, kann sich der Verlauf einer Demenz verzögern. Es ist also enorm wichtig, den Kontakt nicht zu verlieren. Je mehr die Orientierung abnimmt, desto schwieriger wird es, die Beziehung aufrecht zu erhalten, da sich der nicht orientierte Mensch mehr und mehr in seine eigene Welt zurückzieht. Es gibt lichte Momente, die man über eine emotionale Begegnung auch erschaffen kann. Als Bild wird hier häufig das der „Lichtung des Menschen mit Demenz“ verwendet, auf die man eingeladen werden kann, wenn man bestimmte Kommunikations- und Verhaltensweisen lebt. Jede Einladung stellt eine Bereicherung dar, nicht nur für den Menschen mit Demenz, sondern auch für denjenigen, der Zugang bekommt zu seiner Welt.

Mittel und Wege

Ein wirkungsvolles Mittel um mit dem Erkrankten in Kontakt zu bleiben, ist z.B. das Lebensthema. Lässt sich dieses erarbeiten und spiegelt man es dem Menschen mit Demenz, ermöglicht es ihm in Kontakt zu bleiben mit seiner eigenen Persönlichkeit. Außerdem ermöglicht es Interaktion, da der Mensch sich von seinem Umfeld wahrgenommen, erkannt und gewürdigt fühlt. Auch Werte und wichtige biografische Daten können zu solchen beziehungsvollen Momenten beitragen in denen Nähe zum Menschen mit Demenz entsteht.

Entlastung durch professionelle Begleitung

Für Angehörige stellt die Pflege oft eine hohe Belastung dar, sodass hier auch im therapeutischen und/oder Coaching-Bereich Themenfelder entstehen, bei denen es sich lohnt, sich einmal intensiver mit dem Thema Demenz und den unterstützenden Möglichkeiten zu befassen. Sowohl der Entschluss die Pflege des Erkrankten selbst zu übernehmen, als auch die Entscheidung für eine Pflegeeinrichtung können durch professionelle Begleitung erleichtert werden. Eine fachlich fundierte Unterstützung kann darin bestehen, das für und wider für alle Betroffenen genau unter die Lupe zu nehmen, Inseln der Entlastung für den Pflegenden zu definieren oder den Umzug des Menschen mit Demenz bedarfsgerecht vorzubereiten und durchzuführen.

Chancen für Training, Beratung und Coaching

Sowohl in den Pflegeeinrichtungen, als auch im häuslichen Bereich ist der Bedarf an qualifizierten Trainern, Beratern und Coaches sehr hoch. Natürlich ist es dabei von Vorteil aus einem Grundberuf zu kommen, der im pflegerischen Bereich liegt, aber auch mit anderen Trainings- und Beratungsschwerpunkten, wie „Kommunikation“ und „Serviceorientierung“ können sich hier Chancen eröffnen. So gibt es z.T. kommunale Einzelhandelsprojekte, die darauf abzielen, Verkäufer im Umgang mit Menschen mit Demenz zu schulen, um die Integration dieser Personengruppe in der Gesellschaft zu fördern.

Literaturtipps:

• Das Herz wird nicht Dement, Udo Baer, Beltz
• Der alte König in seinem Exil, Arno Geiger, dtv
• Demenz, Günter Niklewski, Stiftung Warentest

 

Die Autorin: Nadine Sennewald

ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, psychologische Demenzberaterin, Yogalehrerin, Trainerin und Coach. Ihr Schwerpunkt ist die Familien- und Demenzberatung. Sie gibt Schulungen für Angehörige, Pflegende, Trainer, Berater und Coaches.

Therapie - Coaching - Yoga
Birkenweiher 19
42651 Solingen
Tel. 0212 2543 222
info@nadine-sennewald.de
www.nadine-sennewald.de 

 

 

 

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