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Autoren-Werkstatt (2): Sachbücher konzipieren und Verlagssuche

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Autoren-Werkstatt

Sachbücher konzipieren und Verlagssuche

Ulrike Scheuermann

In drei Beiträgen gibt Ulrike Scheuermann Impulse, wie aus Trainern Buchautoren werden. Im zweiten Beitrag geht es darum, wie Sie Ihr Buch – Ratgeber, Sachbuch, Fachbuch – konzipieren und einen guten Verlag finden, der zu Ihnen passt. Das Wichtigste bei der Konzeption eines Sachbuches ist der Aufhänger: Finden Sie für Ihr Buchthema eine Zuspitzung, die verblüffend neu ist, die Ihre Leser neugierig macht und sie zu Ihrem Buch greifen lässt – im Buchladen oder per Klick.

Für viele Trainer ist das eigene Buch ein Traum, der ein Traum bleibt. Vor allem dann, wenn sie ihr Buch in einem guten Verlag veröffentlichen wollen. Denn die meisten scheitern an der ersten, ziemlich hohen Hürde: der Verlagssuche. Dafür braucht man Know-how und eine buchmarktfähige Konzeption. Nur so kommen Sie an einen Verlagsvertrag. Und das geht nicht so leicht, denn in Trainerkreisen hat sich herumgesprochen, dass das eigene Buch ein wichtiger Baustein für die Trainerkarriere ist. Genau deshalb erhalten gerade Ratgeberverlage eine Flut von Exposees von Trainern, Coachs, Beratern und Speakern, aus denen sie auswählen müssen. Und da überzeugen (natürlich) die überzeugendsten Buch-Konzepte. Also, los geht es mit der Konzeptentwicklung. Eine Buchidee haben sie ja sicher. Nun legen Sie das Buchgenre fest.

Genre: Sachbuch, Fachbuch oder Ratgeber?

Passt das Genre überhaupt zum Verlag oder zur Reihe, die der Lektor betreut? Bei einem reinen Ratgeberverlag wie GU wären Sie mit Ihrem Fachbuch fehl am Platz. Welches Genre kommt nun für Sie in Frage? Bei den drei Unterkategorien „Sachbuch“, „Fachbuch“ und „Ratgeber“ ist das Ratgeber-Genre für Sie besonders interessant, weil Sie damit Ihre eigene Zielgruppe ansprechen und so durch Sog-Marketing Kunden akquirieren können. Denn während Sie in einem Fachbuch anderen Profis ein Fachthema vermitteln und in einem Sachbuch zu einem gesellschaftlich hochrelevanten Thema z.B. mit starken Thesen auftreten (und möglichst schon ein Promi sind oder zumindest extrem gut schreiben können), antworten Sie mit einem Ratgeber auf Probleme oder Fragen der Leser. Wenn Sie sich für ein Genre entschieden haben, analysieren Sie als nächstes den Buchmarkt.

Den Buchmarkt richtig einschätzen

Jeder Lektor, der Ihr Exposee überfliegt, fragt sich sofort: Können wir dieses Buch gut verkaufen? Gibt es genug Leser und haben diese – z.B. bei Ratgebern – ein genügend großes Problem, um 15 oder 20 Euro dafür auszugeben und ein paar Stunden kostbare Lesezeit zu investieren? Analysieren Sie deshalb den Buchmarkt gründlich: Wie unterscheidet sich Ihr Buchprojekt von allen anderen und welche indirekten oder direkten Konkurrenzwerke gibt es? Achten Sie auf den Zeitgeist: Was liegt in der Luft? Wie entwickeln sich die Bestsellerlisten? Begegnet Ihnen Ihr Thema z.B. in den Medien oder in Vorreiter-Ländern wie den USA? Sind die Leser noch nicht bereit oder ist ein Trend schon vorbei, das Thema „abgefeiert“, ein „Me-too“-Titel [Nachahmer-Titel], der in vielen Verlagsprogrammen bereits vertreten ist? Um keinen Me-too-Titel zu präsentieren, sondern eine Alleinstellung im Buchmarkt zu erreichen, brauchen Sie einen guten Aufhänger.

Der zugespitzte Aufhänger

Die angehenden Autoren, mit denen ich an der Entwicklung ihres Buchkonzeptes arbeite, haben zwar eine gute Buchidee und stehen glaubwürdig für Ihr Thema (sonst arbeite ich nicht mit ihnen), doch selten ist ihre Idee schon zugespitzt genug. Themen gibt es viele, doch was ist einzigartig daran? Neu, anders, verblüffend, verstörend, lustig oder provokativ? Warum ist es aktuell relevant? Dazu habe ich eine Übung für Sie, die ich in meinen Seminaren und Coachings mit (angehenden) Sachbuchautoren nutze: 

Seriensprint „Mein Aufhänger“

  • Schreiben Sie fünfmal „in Serie“ immer neu den folgenden Satzanfang auf und schreiben Sie dabei nach jedem Satzanfang sofort weiter, ohne nachzudenken: so schnell wie möglich, ohne innezuhalten, ohne sich selbst zu bewerten. Der Satzanfang heißt: „Ich möchte zeigen, dass ...“
  • Lesen Sie danach Ihre Sätze durch und markieren Sie das, was Ihnen wichtig erscheint.
  • Schreiben Sie zum Abschluss unter diese Sätze einen Kernsatz, der das Wichtigste griffig gefasst auf den Punkt bringt: „Mein wichtigster Aufhänger ist: ...“ 

Nun geht es weiter, Schritt für Schritt zum fertigen Exposee, das Verlage überzeugt. Schreiben Sie zu jedem der folgenden Punkte das Wichtigste auf:

  • Lesernutzen: Welchen Nutzen haben meine Leser, wenn Sie mein Buch gelesen haben? Was ist hinterher anders, besser, klarer?
  • Glaubwürdigkeit: Warum bin gerade ICH der besten Autor, die beste Autorin für dieses Buchprojekt?
  • Arbeitstitel: Entwickeln Sie Titel und Untertitel aus Ihrem Aufhänger. Bitte investieren Sie viel Zeit in diesen kreativen Prozess!
  • Gliederung: Tüfteln Sie eine genregerechte Gliederung aus. Die Gliederung sollte verkaufsfördernd sein, indem sie z.B. bei einem Rat­geber die Leser bei ihren Fragen, Problemen und
    Befindlichkeiten abholt. Die meisten Autoren gliedern da erst einmal zu themenorientiert.

Nun haben Sie die wichtigsten Punkte für Ihr Konzept zusammen, das Sie in ein verkaufsförderndes ca. vierseitiges Exposé verpacken können, in dem jeder Satz sitzen sollte. Danach kommt noch ein Probekapitel hinzu (siehe 3. Teil dieser Beitragsreihe im nächsten TrainerJournal) und dann geht es schon los mit der Verlagssuche.

Den passenden Verlag finden

Suchen Sie sich Ihre fünf bis fünfzehn Lieblingsverlage aus, finden Sie die zuständigen Lektoren heraus und telefonieren oder schreiben Sie sie an. Exposee und Probekapitel senden Sie zum Verlag. Am Telefon erklären Sie Ihr Buchprojekt in 60 Sekunden und fragen nach, wann Sie sich nochmals melden dürfen. Alternativ können Sie eine Literaturagentur beauftragen. Im deutschsprachigen Raum ist der Weg über Agenturen ganz sicher kein Muss bei der Sachbuch-Verlagssuche, doch eine Hilfe, wenn Sie nicht gerne für die eigene Sache werben.

Im nächsten Beitrag geht es um das Probekapitel und eine erfolgreiche Manuskriptphase.

Literatur-Empfehlungen

  • Oliver Gorus: Erfolgreich als Sachbuchautor: Von der Buchidee bis zur Vermarktung. Gabal 2011.
  • Ulrike Scheuermann: Wer reden kann, macht Eindruck – wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job. Linde Verlag, 2., aktualisierte Auflage 2013: 19,90 €
  • Ulrike Scheuermann: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. Linde Verlag 2011, Arbeitsbuch im Din-A-4-Format: 19,90 €

Unser Tipp für Interessierte

Jedes Jahr im Frühling, das nächste Mal am 8. April 2016, findet in der „Akademie für Schreiben“ in Berlin das Intensiv-Seminar „Sachbücher schreiben“ mit Ulrike Scheuermann statt – Schwerpunkt: Buchentwicklung und -Konzeption. Mit Abendgast Ulrike Plessow, Geschäftsführerin der Buch-PR-Agentur buchcontact.de.

Jedes Jahr im Herbst findet das Seminar „Schreibfitness – Schreiben mit System und Schaffensfreude“ statt – für die Buch-Manuskriptphase und für effektives und inspiriertes Schreiben, das nächste Mal am 30. September 2016.

Zur Autorin: Ulrike Scheuermann

ist Sachbuchautorin, Diplom-Psychologin und Rednerin und gehört zu den profiliertesten Schreibcoachs im deutschsprachigen Raum. Seit rund 20 Jahren unterstützt sie Sach- und Fachbuchautoren, Wissenschaftler und andere, die beruflich schreiben, beim Schreiben und Publizieren sowie bei der Fokussierung auf das Wesentliche.

www.ulrike-scheuermann.de

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