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IW-Köln zum Arbeitsmarkt: Es gibt keine Krise bei Facharbeitern

Einer neuen OECD-Studie zufolge ist der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation auch in Deutschland stark gesunken. Grund ist die Digitalisierung – dafür steigt die Beschäftigung der Hoch- und Niedrigqualifizierten. Allerdings gibt es für diese These zumindest hierzulande keine Belege.

Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland teilt sich in zwei Phasen: Bis 2005 befand sich das Land in einer nahezu durchgehenden Arbeitsmarktkrise. Die Erwerbstätigkeit stagnierte bestenfalls, die Arbeitslosigkeit nahm zu. Seit 2006 entstehen Millionen neue Jobs, die Arbeitslosigkeit sinkt.

Dementsprechend unterschiedlich entwickelte sich auch die Erwerbstätigkeit nach Qualifikationen. Bis 2005 nahm die Anzahl der Geringqualifizierten ab, während die der Personen mit mittleren Qualifikationen stagnierte und die Anzahl der Hochqualifizierten zunahm.

Seit 2006 steigt die Zahl der Hoch- und Mittelqualifizierten deutlich an, während bei den Geringqualifizierten allenfalls ein geringer Beschäftigungsanstieg stattfindet. Kritiker sprechen von einer Polarisierung, das heißt, der Arbeitsmarkt teilt sich in die zwei Extreme Gering- und Hochqualifizierte. Doch von einer Krise bei Facharbeitern ist nichts zu sehen: Die Beschäftigungsentwicklung der Geringqualifizierten bleibt – auch wenn sie sich verbessert hat – hinter der von höher Qualifizierten zurück. Die Bedeutung der Qualifikation für den Arbeitsmarkt nimmt zu, wovon die Akademiker am stärksten, aber keineswegs als Einzige profitieren.

Die Polarisierungsthese bleibt somit nicht nur ohne überzeugenden Beleg, sie ist auch gefährlich. Denn sie suggeriert, dass berufliche Qualifikationen unterhalb des Akademikerniveaus wertlos seien. Dabei ist das Gegenteil richtig: Die Arbeitslosenquote der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung liegt bei 20,3 Prozent, während lediglich 4,6 Prozent der Personen mit einer Berufsausbildung keinen Job haben.

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Quelle und Ansprechpartner im IW:
Holger Schäfer

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