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Faul und egozentrisch? Die Generation Y ist besser als ihr Ruf

Faul und egozentrisch? 

Die Generation Y ist besser als ihr Ruf

Thema auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress 2017

DÜSSELDORF, den 3.11.2017. Zu unflexibel, zu verwöhnt, zu wenig belastbar – die gestern von der Bundesagentur für Arbeit herausgegebenen Daten für den Ausbildungsmarkt werden wieder eine Diskussion über die Qualität vieler Bewerbungen entfachen. „Es wird viel gemeckert an der neuen Generation“, sagt die Wirtschaftspsychologin Dr. Steffi Burkhart. Auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress am 20. und 21. November in Düsseldorf wird sie deutlich machen, dass die pauschale Kritik am Berufsnachwuchs unberechtigt ist – und worauf sich die Unternehmen tatsächlich einzustellen haben. Der Deutsche Ausbildungsleiterkongress vermittelt in mehr als 100 Vorträgen und Workshops konkrete Lösungsansätze für HR- und Ausbildungsverantwortliche.

„Generation Y Vertreterin“ steht auf ihrer Visitenkarte. Tatsächlich hat sich die Wirtschaftspsychologin Dr. Steffi Burkhart als „Jugendversteherin“ einen Namen gemacht. Als Speakerin, Beraterin und Autorin („Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y“) klärt sie Ältere über die Eigenheiten der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, denen sie – Jahrgang 1985 – selbst angehört, auf. So auch auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK) in Düsseldorf, wo sie an Personal- und HR-Verantwortliche appelliert, ihre Arbeitswelt und Führungskultur neu zu denken. Sie will in ihrem Vortrag den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufzeigen, „wie Sie Ihr Unternehmen zukunftsfähig für die neue Generation gestalten“.

Mehr als 80 Experten aus unterschiedlichen Bereichen diskutieren in Düsseldorf beim zweiten DALK am 21. und 22. November 2017 mit rund 2.000 HR- und Ausbildungsverantwortlichen sowie Berufsschulleitungen aus ganz Deutschland über eine entscheidende Zukunftsfrage für die deutsche Wirtschaft. Es geht um den Austausch von Ideen, wie die Duale Ausbildung von morgen gestaltet werden kann. Dass es Probleme gibt, machen die gestern von der Bundesagentur für Arbeit (BA) herausgegebenen Ausbildungsmarktdaten deutlich: Gegenüber dem Vorjahr (Stichtag jeweils: 30. September) ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen (plus 5.500 auf 48.900) wie auch die Zahl der unversorgten Bewerber (plus 3.200 auf 23.700) gestiegen.

Ist es denn nötig, dass sich die Unternehmen auf die Generation Y einstellen? Gelten denn die bewährten Prinzipien des beruflichen Erfolgs nicht mehr? „Die Jüngeren sind nicht fauler oder weniger motiviert als früher. Was sich geändert hat, sind der Anspruch und der Sinn, diese Leistung zu zeigen“, erklärt Dr. Steffi Burkhart. Während ihr zufolge die Generation der Baby Boomer in der Nachkriegszeit finanzielle Sicherheit wollte – und bekam –, haben die folgenden Generationen gelernt, dass nichts wirklich sicher ist: der wirtschaftliche Aufstieg, der Arbeitsplatz, das Einkommen, die Versprechungen der Politik, die finanzielle Absicherung im Alter … „Die Frage, die sich stellt, ist also simpel: Leistung zeigen? Ja, gerne! Aber wofür? Wenn die Arbeitswelt keine Sicherheit bieten kann, was spätestens seit den 90er Jahren der Fall ist, wofür sollte der Einzelne noch kämpfen, wenn nicht für sich selbst?“

Der vermeintliche Egozentrismus der Generation Y sei eine Folge unsicherer Lebensverhältnisse, meint Dr. Burkhart. In der gegenwärtigen soziologischen Literatur werde von einem „unternehmerischen Selbst“ gesprochen. Heißt: Wer sich in seinem Berufseinstieg von Praktikum zu Praktikum hangeln musste und anschließend bestenfalls einen befristeten Arbeitsvertrag bekam, wird sich eher als Unternehmer in eigener Sache, denn als Mitglied eines Teams verstehen. „Es wird viel gemeckert an den neuen Generationen. Das Verhalten neuer Generationen, welches so gerne als arbeitswidrig beanstandet wird, ist ein Resultat gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und eine Antwort auf neue Anforderungen“, meint Dr. Steffi Burkhart.

Was können Ausbildungsleiter, Personal- und HR-Verantwortliche nun tun, die mit solchen Berufseinsteigern zu tun bekommen? Zunächst mal: mit den jungen Menschen reden – nicht (nur) über sie. „Weil die, die das Sagen haben sich immer die Köpfe zerbrechen über den Nachwuchs – statt mit uns zu reden –, drehen sich oftmals die Ideen immer wieder im Kreis, sind minimal innovativ und erreichen den Nachwuchs womöglich gar nicht. So kann das ja nicht funktionieren! Wie wäre es stattdessen mit Gedankenaustausch und Kreativität durch alle Ebenen der Hierarchie hindurch?“, fragt die Expertin.

Wer wirklich an den Bedürfnissen, Wünschen und Sorgen der jungen Generation ansetzen möchte, müsse die Zielgruppe selbst mit in den Entwicklungsprozess einbeziehen – und zwar nicht am Ende der Wertschöpfungskette, sondern bereits am Anfang. Dieser offene Innovationsansatz ermögliche die Entwicklung von Ideen entlang der Bedürfnisse von Menschen. „Aber Achtung: dieser ‚Open-Innovation‘-Ansatz ist etwas Anderes als seine jungen Mitarbeiter in einen Meeting-Raum zu setzen und zu sagen: ‚Brainstormt mal – ihr seid doch die Jungen. Ihr habt eine Woche Zeit und dann hätte ich gerne Ergebnisse auf dem Tisch.‘ Doch Kreativität auf Knopfdruck funktioniert selbst bei Künstlern nicht wirklich“, sagt Dr. Steffi Burkhart, die in Workshops Personalführungsmethoden aus dem Silicon Valley vermittelt.

Zweiter Punkt: Viele Führungskräfte seien der Meinung, junge Menschen wollten doch eigentlich nicht geführt werden – sie strebten nach einem maximalem Freiheitsgrad. Letzteres sei sicher richtig. Ersteres nicht. „Junge Menschen wollen geführt werden – trotz hohem Freiheitsgrad“, sagt Burkhard. Aber viel zu oft finde Führung eben gar nicht statt.

Quelle: Wolters Klumer, 3.11.2017

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