Astrid Kehsler

Facebook, Twitter, Xing und Co. verändern das Networking und bieten die Chance zu einer unendlichen Zahl von Kontakten. Aus der Weisheit des Schwarms erwächst die Macht der Masse – sei es durch schnell organisierbare Protestbewegungen wie in Ägypten oder nach dem Atomunfall in Japan, sei es durch neue soziale Kontrollmechanismen wie im Fall Guttenberg. Macht vor diesem Hintergrund auch beim beruflichen Netzwerken ein Trend zur Masse Sinn?

Anleihen bei der Netzwerkanalyse – deren Ziel die Beschreibung bestehender Netzwerke ist und nicht das Entwickeln von Gebrauchsanweisungen für Networking – liefern Anhaltspunkte dafür, was in Netzwerken möglich ist. So beobachtete Mark Granovetter bereits 1974 die Stärke von schwachen Bindungen: Von 300 befragten Job-Wechslern gaben 65 % an, dass persönliche Kontakte eine überragende Rolle spielten, und wer die relevanten Informationen von Menschen erhielt, zu denen nur gelegentlich oder selten Kontakte gepflegt wurden, erhielt in der Regel die besser dotierten Stellen. Ein Erklärungsansatz: Personen, die dem Jobsucher nahestehen, können im Gegensatz zu weniger eng verbundenen Menschen selten die wertvollen neuartigen Informationen vermitteln.

Netzwerke mit thematischer Breite oder inhaltlicher Tiefe

Monika Scheddin, Coach und Networking-Expertin, sieht darin keinen Widerspruch zum Prinzip „Klasse statt Masse“: „Qualitätsnetzwerken bedeutet keineswegs, dass man sich thematisch eng begrenzen muss. Im Gegenteil: Die Vielfalt inspirierender Menschen und außergewöhnliche Begegnungen machen einen besonderen Reiz von Qualitätsnetzwerken aus.“ So liegt ihrem Woman‘s Business Club in Frankfurt, München und seit neuestem auch Ingolstadt, das Prinzip zugrunde, dass aus einer Berufssparte maximal vier Mitgliedsfrauen zugelassen werden. Die branchenübergreifende Durchmischung bringt unterschiedlichste Erfahrungen und Expertisen zusammen, die die eigenen Möglichkeiten und die der Netzwerkpartnerinnen um ein Vielfaches erweitern.

Ebenso initiiert Trainerin und Buchautorin Monika Scheddin aber auch Fachtreffen, etwa den „Netzwerktag für den Coach“. Dort diskutieren Profis wie der Hochbegabten-Coach Detlef Scheer zusammen mit Radl-Coach Hermann Plasa, Paar- und Beziehungscoach Sabine Kistler und die coachende Projektspezialistin Doris Helzle aktuelle Trends und Methoden ihrer Branche. Der Unterschied zum branchenübergreifenden Treff: Hier geht es fachlich in die Tiefe, werden Details und Erfahrungen ausgetauscht, die bei aller Unterschiedlichkeit der persönlichen Coaching-Ausrichtung unmittelbar anschlussfähig sind.

Netzwerken ist also nicht gleich Netzwerken. Branchenübergreifend stehen häufig Kooperationen im Vordergrund und das Erweitern des persönlichen Horizonts; branchenintern hat der fachliche Austausch meist Priorität. Doch beides gibt noch keine Antwort auf die Frage: Masse oder Klasse?
Auch hier ist ein Blick zur Netzwerkanalyse aufschlussreich. Danach haben es Netzwerker mit drei Engpässen zu tun:

1. mit ihrer eigenen begrenzten Informationsverarbeitungsfähigkeit;
2. mit dem Kostenfaktor für Informationsbeschaffung und Kontaktpflege;
3. mit der Frage der Vertrauenswürdigkeit.

Die Grenzen der eigenen Kapazitäten

Netzwerken in der Masse eröffnet die Option zu einer Vielzahl neuer Informationen – doch nutzbar sind sie nur, wenn sie beispielsweise zur Beantwortung einer Frage gezielt abrufbar sind. Hier stoßen Menschen selbst bei Unterstützung durch eine leistungsfähige EDV an ihre Grenzen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil stets nur ein Teil der Informationen aus einem Gespräch in einer Kontaktdatenbank erfasst wird. Die Beantwortung der Frage, „Wer könnte das wissen oder jemanden kennen, der das weiß“, braucht Entscheidungen des Netzwerkers, weil sie über die Funktionalität üblicher Software hinausgeht.

Kostenfaktor Kontaktaufbau- und pflege

Grundsätzlich bieten soziale Netzwerke die Möglichkeit, den Kostenfaktor für den Aufbau eines Netzwerks zu reduzieren. Suchfunktionen erlauben es, über Profile Gleichgesinnte zu finden, ohne quer durch die Republik oder ins Ausland zu reisen. Doch auch hier gilt: Das Suchen und Sortieren, Kontaktieren und Informieren kostet Zeit. Soziale Netzwerke minimieren den Aufwand, da Suchergebnisse bzw. Kontaktdaten auch zielgerichtet bei Auftreten eines Problems generiert werden können. Doch wer sich alleine darauf verlässt, übersieht zwei Aspekte: 1. Netzwerken lebt ganz entscheidend vom Zufall. Blickt man nochmals auf die Ergebnisse der Granovetter-Untersuchung, so zeigte sich dort, dass die Ergebnisse der Jobsuche umso schlechter waren, je gezielter gesucht wurde, und dass sich die besten Informationsgelegenheiten denjenigen boten, die praktisch darüber stolperten. 2. Die Vertrauenswürdigkeit der Informanten ist ein wesentlicher Faktor, der bei unbekannten Ansprechpartnern oder Anfragen über mehr als zwei Kontakte kritisch wird.

Ein klares Profil erleichtert Vertrauen

„Wer sich Vertrauen erwerben will, muss am sozialen Leben teilnehmen und in der Lage sein, fremde Erwartungen in die eigene Selbstdarstellung einzubauen“, schrieb Niklas Luhmann in seinem Klassiker „Vertrauen“. Die Grundlage allen Vertrauens sieht er in der Darstellung des eigenen Selbst „als einer sozialen, sich in Interaktionen aufbauenden, mit der Umwelt korrespondierenden Identität.“ Gleichzeitig warnte er, dass „wer sich nur anpasst“ „als Selbst überhaupt nicht sichtbar“ wird. Doch es braucht ein klares Profil, dem man selbst treu bleibt, um vertrauenswürdig zu sein und im Fall der Fälle auch weiterempfohlen zu werden.

Nicht nur im Hinblick auf Vertrauen, auch unter dem Aspekt des persönlichen Einflusses, der in Netzwerkpartnerschaften ebenfalls von Bedeutung ist, wird das Profil wesentlich. „Der eigene Einfluss wächst automatisch, wenn man in einem Aufgabenfeld kompetent ist und als Experte geschätzt wird“, erläutern Maren Fischer-Epe und Klaus Epe in ihrem „Selbstcoaching“-Buch. Für Netzwerk-Kritiker gilt es dabei zu bedenken: Wirksam wird der Einfluss durch Kompetenz erst dann, „wenn wir die eigenen Fähigkeiten auch zeigen und bekannt machen“.

Quellen und Literaturhinweise:

  •  Fischer-Epe, Maren/Epe, Claus: Selbstcoaching, Hamburg 2007.
  • Jansen, Dorothea: Einführung in die Netzwerkanalyse, 3. Aufl., Wiesbaden 2006, S. 240–254. 
  • Luhmann, Niklas: Vertrauen, 4. Aufl., Stuttgart, 2000.
  • Scheddin, Monika: Erfolgsstrategie Networking, Allitera Verlag 2009.

Astrid Kehsler, MSc. Communication, ist Kommunikationsexpertin, Coach und Verlegerin und betreut für die Donau-Universität Krems / Österreich und die PR PLUS GmbH in Heidelberg den Aufbau des Master-Programms „Kommunikation und Management“ in Deutschland. Sie ist Mitglied im Netzwerk coach-empfehlungen.de und war Teilnehmerin beim „Netzwerktag für den Coach 2011“.

 

MSc Kommunikation
Astrid Kehsler
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